Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1
Der Holocaust in den„Sozialen“ Medien Uber Möglichkeiten der partizipativen Erinnerungskultur und Gefahren der Trivialisierung und Verzerrung
EFin Meinungsbeitrag von Charlotte Kitzinger und Felix Luckau?
Aus den sozialen Medien werden die Themen Nationalsozialismus und Holocaust so schnell nicht verschwin- den. Man mag das— je nach Standpunkt und Perspektive= bedauern oder nicht. Es gibt jedenfalls unterschiedliche Stra- tegien damit umzugehen: Diese Inhal- te Schlicht zu ignorieren oder pauschal zu verurteilen, scheint dabei zumindest sinnlos, wenn nicht sogar kontra- produktiv und gefährlich.
Aus einer ähnlichen Erkenntnis heraus sind die Darstellungen des Na- tionalsoZialismus und Holocaust in ver- schiedenen Social Media-Formaten in den let?zten Jahren immer wieder und vermehrt Gegenstand von wissen- schaftlichen Debatten und Untersu- chungen geworden, wobei umfassende quantitative und qualitative Untersu- chungen u. a. Zur Wirkung noch ausste- hen. Allerdings ist Social Media“ ein in?wischen großes und heterogenes Feld, die einzelnen Apps und Plattfor- men richten sich zudem an unter— Schiedliche Zielgruppen und erfordern jeweils Spezifische Parstellungsformen. Social Media-Apps werden nämlich
längst nicht nur von jungen Gruppen genutzt und bedient, es ist gesellschaft- lich wie politisch gesehen ein sehr di- verses Akteur:innenfeld. Einzelbeiträ- ge privater Nutzer:innen finden sich zunächst(beinahe) gleichberechtigt neben professionell und systematisch angelegten Inhalten von Redaktionen, Institutionen und Bildungseinrichtun- gen. Die Menge der sehr verschiede- nen Beitrãge ist somit nahezu unüber- schaubar. Auch die„Qualität“ der Beiträge fällt damit höchst unter— Schiedlich aus und lãsst sich quantitativ kaum sinnvoll bestimmen(zumal auch innerhalb der geschlossenen, nicht öf— fentlichen Profile eine Vielzahl an Beiträgen hochgeladen werden dürf— ten). Wenn man Gemeinsamkeiten aus- machen wrill, dann sind es die, dass alle Social Media-Plattformen auf Interak- tion und Kommunikation unter den Mitgliedern aufbauen und ,Erfolg“ an Sichtbarkeit gemessen wird, die sich durch die Anzahl der Follower:innen, der Kommentare oder Likes(die auch nachweislich das Belohnungssystem im Gehirn aktivieren und daher ein Wohl-
* Charlotte Kitzinger ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und Geschãfts- führerin der Arheitsstelle Holocalstliteratur am Institut fir Germanistil der Mustus- Liehig- Univenitòt Gießen(www holocaustliteratur. de).
Felix Luckau ist Doktorand und wissenschaftlicher Projektmitarbeiter der
Aryheitsstelle Holocuustiteratun


