„Jude“. Auch sıe haben ein solches Zeichen, den Davids- stern: aber die Deutschen reagieren völlig neutral darauf. Mag sich die jüdische Presse mit noch so großem Leichimut und Humor über dieses Zeichen äußern: es ist das Pfeifen eines Knaben im nächtlichen Walde, der sich damit von der Ängst befreit. Denn es ist Tatsache: das Hakenkreuz ist aus seiner mythologischen Situation
"bereits in die geschichtliche eingedrungen und dringt
weiter vor. Früher war es nur eine Brosche, von selt-
samen germanischen Schwärmern geiragen. Da plötzlich
brach sein historischer Tag an: die Soldaten der Lüit- wilziruppen, die an jenem Märzmorgen Berlin stürmien und die jüdische Regierung davonjagten, trugen das
‚, Hakenkreuz auf ihren Stahlhelmen. Dieser Tag war der
einzige seit dem Anbruch der deutschen Schande, an welchem die Ehre eines Volkes sich zu melden wagte. Die historische Beurteilung jenes ersten spürbaren Vor- stoßes der deutschen Bewegung ging bisher völlig fehl. Ihre Verwerflichkeit liegt nicht darin, daß sie„auf einem Verfassungsbruch beruhte“ oder daß sie„die deutsche
Wirtschaft auf Monate zurückschraubte“, sondern darauf,
daß sie mißlang. Ihre Führer waren dem objektiven
; historischen Ereignis, das hinter ihnen stand, nicht ge- wachsen. Sie waren eben keine Yorcks. Und der Gegen-
part, dem man hätte die Treue brechen können, war kein König, sondern nur das souveräne Volk. Daß man in ienen Tagen in den Straßen Berlins nur-deutsche Ge- sichter sah— was sonst seltene Ausnahme ist— und daß die Deutschen hier wieder einmal sehen konnten, was noch da ist an wohlgeratenem Volk: das ıst zwar
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