Druckschrift 
Secessio Judaica : philosophische Grundlegung der historischen Situation des Judentums und der antisemitischen Bewegung / Hans Blüher
Entstehung
Seite
14
Einzelbild herunterladen

Augen, schon in der Gegenwart wissen, wer einmal geschichtliche Person sein wird und wer nicht. Es sind immer die, deren Gestalt sich in einen Mythos hinein- weben läßt. Beispiel: Hindenburg hat geschichtliche Dis- position Walter Rathenau nicht. Das hal nichts mil dem Verdienst zu tun. Es kann sein, daß Ralhenau dem deutschen Volke mehr nützt als Hindenburg; aber er isi niemals geschichtliche Person. Verdienst entischeidel nicht. Die Geschichte arbeitet mit denselben Milteln, deren sich alle großen Vorgänge bedienen wie Re- ligion, Ethik, Kunst: es ist immer nur die Gnade, nicht die Bemühung. Nur wer mit dem Schicksal seines Volkes naturunmitielbar verbunden ist, hat Aussicht, geschicht- liche Person zu werden: und unter den Aussichisvollen waltet noch einmal das Geseiz der Gnadenwahl.

3.

as ist demnach ein Staatsmann? Der die Ge- W schichte der Zukunft eines Volkes zu meistern versteht, das heißt die Politik. Und das kann nur, wer mit dem Kerngehalt seines Volkes unmittelbar verbunden ist. Das heutige Deutschland hat keinen einzigen Staals- mann, weil alle dem Irrtum unterliegen, daß die Staals- kunst sich aus der Wirlschaft herleite. Die Geschichte hat das Primat in der Politik und die Wirtschaft gehorcht ihrem Druck.

Gegenstand der Siaatskunst ist sieis das Reich und niemals das Volk. Kein Volk hat eine Geschichte, solange es kein Reich hat. Die Makedonen vor Philipp hatten keine Geschichte. Esihen, Letten, Kuren und andere

14