Frankfurt/Main, 28. Juni 1964
Liebste Recha,
neulich schrieb ich Dir, daß mich die Gedanken an den Prozeß Tag und Nacht verfolgen. Es war keine Über- treibung. Jedenfalls kann ich mir nur so erklären, daß ich gestern einen Traum hatte, der so intensiv und
deutlich war, daß ich ihn Dir genau erzählen kann.
Ich sah die ganze Szenerie des Gerichtssaales, Ange- klagte, Verteidiger, Staatsanwälte, Nebenkläger, und vor mir in der Mitte die drei Richter mit dem Präsiden- ten Hofmeyer in der Mitte, und die Geschworenen zu beiden Seiten. Alle standen. Der Präsident verkündete die Urteile. Freispruch— zwei Jahre— fünf Jahre- zehn
Jahre- lebenslänglich. Dann wurde seine Gestalt immer


