Versonnen und beglückt bleiben die Polen stehen und beobachten die Kinder.-—„Was im weinenden Auge mir oft die Tränen zurückhält, ist ein spielendes Kind oder ein Vogel im Flug“- zitierte ich Justinus Kerner. Nach längerem Schweigen meint der eine Pole: „Ja, und doch muß ich immer weinen, wenn ich ein Kind spielen sehe. Immer werde ich im Hintergrund die in Auschwitz spielenden Kinder sehen. Daß der Herr- gott dazu schwieg, als sie getötet wurden- ich kann an
keinen Gott mehr glauben...”
Ich mußte an die Stelle bei Primo Levi* denken, wie er schildert, daß er nach einer Selektion, die aber erst zwei Tage später vollstreckt wurde, von seiner Pritsche aus den alten frommen Juden Kuhn beobachtet, wie der sein Käppchen aufgesetzt hat und den Körper in Dankgebeten hin und her bewegt, weil er heute nicht zur Tötung bestimmt wurde. Primo Levi fährt fort:„Ist der alte Kuhn wahnsinnig geworden? Sieht er denn nicht da drüben den jungen Griechen, der in die Birne starrt und keinen Gedanken mehr fassen kann, weil
er weiß, daß er übermorgen ins Gas gehen wird? Weiß
* Primo Levi:„Ist das ein Mensch?“ S. Fischer Verlag.
5%.


