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Zeugen im Auschwitz-Prozeß : Begegnungen und Gedanken / Emmi Bonhoeffer
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schen: wo und wann wurden die Weichen falsch ge- stellt, daß es zu einem Auschwitz überhaupt kommen

konnte? Diese Frage müssen sich alle Völker stellen.

Im Gegensatz zu solchen bejahenden Bewertungen des Prozesses steht eine skeptische Beurteilung, ein Ein- wand, der mir ebensooft begegnet ist wie die positive Stellungnahme. So wurde mir von einem sympathi- schen, intelligenten und sicher anständigen jüngeren Kaufmann gesagt:Ist es nicht entsetzlich mit unserer deutschen Gründlichkeit? Erst morden wir mit techni- scher Perfektion und jetzt breiten wir unsern ganzen Schmutz vor aller Welt aus. Täte das irgendein anderes Volk?

Ich sagte ihm:Ich empfinde das nicht als ‚Schmutz- ausbreiten. Ich empfinde den Prozeß eher wie eine sehr gründliche Anamnese und Analyse eines gewis- senhaften Arztes, dessen Diagnose später nicht nur dem einen Patienten, sondern allen Anfälligen nützlich sein kann. Es war erfreulich, wie der Fragende meine Antwort aufnahm. Aber seine Ratlosigkeit blieb beste- hen. Er meinte:Schaun Sie auf Rußland! Zwanzig

oder dreißig Millionen Russen sollen in den Stalinschen

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