schen: wo und wann wurden die Weichen falsch ge- stellt, daß es zu einem Auschwitz überhaupt kommen
konnte? Diese Frage müssen sich alle Völker stellen.“
Im Gegensatz zu solchen bejahenden Bewertungen des Prozesses steht eine skeptische Beurteilung, ein Ein- wand, der mir ebensooft begegnet ist wie die positive Stellungnahme. So wurde mir von einem sympathi- schen, intelligenten und sicher anständigen jüngeren Kaufmann gesagt:„Ist es nicht entsetzlich mit unserer deutschen Gründlichkeit? Erst morden wir mit techni- scher Perfektion und jetzt breiten wir unsern ganzen Schmutz vor aller Welt aus. Täte das irgendein anderes Volk?“
Ich sagte ihm:„Ich empfinde das nicht als ‚Schmutz- ausbreiten‘. Ich empfinde den Prozeß eher wie eine sehr gründliche Anamnese und Analyse eines gewis- senhaften Arztes, dessen Diagnose später nicht nur dem einen Patienten, sondern allen Anfälligen nützlich sein kann.“ Es war erfreulich, wie der Fragende meine Antwort aufnahm. Aber seine Ratlosigkeit blieb beste- hen. Er meinte:„Schaun Sie auf Rußland! Zwanzig
oder dreißig Millionen Russen sollen in den Stalinschen
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