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Zeugen im Auschwitz-Prozeß : Begegnungen und Gedanken / Emmi Bonhoeffer
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Es waren Mutter und Tochter und deren Freundin, die sich im Lager fest aneinander gehalten haben; mit sehr viel Energie und Klugheit war so etwas manchmal mög- lich. Die Mutter ist Ärztin und eine ungewöhnliche Frau. Sie gehört zu denen, die überlebt haben aus see- lischer Kraft, aus dem ärztlichen Ethos. Bei einem Appell zum Beispiel kam eine Frau in die Wehen und schwank- te vor Schmerzen. Die Ärztin sah es, wollte zuspringen, bekam aber dafür eins mit der Peitsche übers Gesicht. Die Schwangere wurde weggebracht. Man hat sie nie mehr gesehen. Ein solcher Peitschenhieb für den Ver- such, als Arzt zu helfen, warf nicht um, sondern provo- zierte überlegene Kraft. Dieses Phänomen bestätigen

alle Erlebnisse dieser Frau.

Die Liebe zu ihrem Kind hat ihr in allem trostlosen Elend von Hunger, Schmerz und Übermüdung die Kraft gegeben, um Mitternacht aufzustehen, wenn der Dusch- raum leer war, die todmüde Tochter zu wecken und

sie zu waschen. Sauberkeit war Lebensrettung.

Diese Menschen sind von einer flackernden seelischen Erregtheit durch das Aufrühren dieser Erinnerungen,

daß ich sie jede in ein anderes Zimmerchen legte zur