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Zeugen im Auschwitz-Prozeß : Begegnungen und Gedanken / Emmi Bonhoeffer
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Anblick des Ungeheuerlichen stellen müssen. Wir dür- fen auch in diesem Punkt vor der Wirklichkeit die

Augen nicht verschließen.

Natürlich hast Du recht, daß es entsetzlich ist, daß diese Prozesse erst so spät, fast zwanzig Jahre nach Kriegs- ende, in Gang gekommen sind. Es gibt dafür viele sach- liche Erklärungen. Formfragen spielen dabei eine Rolle, Zuständigkeitsprobleme, Beweisschwierigkeiten, Un- auffindbarkeit der Täter. Aber auch innere Gründe sprechen mit, sie halte ich für die entscheidenden. Eine Staatsanwaltschaft tritt ja erst in Aktion, wenn ihr ein Verbrechenbekannt wird. Normalerweise wird dem Staatsanwalt eine Untat als Anzeige bekannt. Aber wer zeigt denn gerne an? Vollends wenn er weiß, das Ver- brechen war irgendwie verquickt mit der öffentlichen Meinung, die auch seine war. Wir haben doch alle die Hand zum Hitlergruß hochgehoben! Der eine aus Überzeugung, der andere, um nicht aufzufallen. Der eine, weil er dachte, Hitler wird die Arbeitslosigkeit beseitigen, der andere, weil er sich auch schon einmal über einen Juden geärgert hatte, oder was sonst Hinz und Kunz für Gründe gehabt haben mögen, diesem

starken Mann zuzujubeln, der so herrlich genau wußte,