und ins Hotel begleitet würden, daß man sich bemühe, ihnen den Aufenthalt in Deutschland angenehm und interessant zu machen, daß sich aber niemand um die Zeugen kümmere, die aus aller Welt, vornehmlich aus Polen, zu dem Auschwitz-Prozeß vor das Schwurgericht
in Frankfurt geladen seien.
Offenbar hatte es sich bis dahin niemand überlegt, was es für diese Menschen bedeutet, nach zwanzig Jahren jenes grauenhafte Leiden, das sie vielleicht einiger- maßen überwunden glaubten, nun wieder ausgraben, bis ins Detail zurückrufen zu müssen und damit allein zu sein in einem Land, das sie nur von seiner abscheu- lichsten Seite kennengelernt hatten. Wir waren uns so- fort darüber einig, daß etwas geschehen müsse. Gleich am nächsten Tag hörte ich einer Gerichtsverhandlung des Auschwitz-Prozesses zu, um dem Sachverhalt und der Atmosphäre näherzukommen, in der die Menschen, denen wir zur Seite stehen wollten, Zeugendienst zu
leisten haben.
Ehrlich gesagt, ich hatte bis dahin die Berichte über den Prozeß nur gelegentlich und flüchtig gelesen, wohl aus
einer unbewußten Angst, mehr Entsetzliches zu ver-


