Druckschrift 
Zeugen im Auschwitz-Prozeß : Begegnungen und Gedanken / Emmi Bonhoeffer
Seite
7
Einzelbild herunterladen

gesichert, haben davon profitiert, daß sie nicht zu die- sen verfolgten Gruppen gehörten; viele von uns, wenn sie selbst nicht aktiv beteiligt waren, haben doch nahe Verwandte und Freunde, die im Dienste dieser nun so schauerlich demaskierten Hitler-Bewegung gestanden haben. Deshalb spüren Ungezählte im Unterbewußt- sein: wenn aufgedeckt wird, was damals geschah, dann hängen wir mit den Angeklagten in diesen Prozessen auf vielfältige Weise zusammen, dann reicht die Schuld- frage, die in diesen Prozessen aufgeworfen wird, bis in unser Leben hinein. Darum wehrt man sich gegen die Prozesse, darum möchte man sie beendet wissen; um ihrer selbst willen, um der Ruhe ihres Gewissens wil- len möchten viele, daß, wie sie sagen,endlich ein Schlußstrich gezogen werde.

Ein Bericht, wie dieser hier von Frau Bonhoeffer, zeigt hoffentlich vielen, daß es nötig, gut, heilsam ist, wenn dieser Wunsch nicht erfüllt wird. Nur wenn wir es uns nicht leicht machen, nur wenn jeder mit sich selbst ins Gericht geht, nur wenn wir die Vergangenheit ins Auge fassen, finden wir den Weg in eine Zukunft, in der der Wiederholung dieser Vergangenheit ein Riegel vorgeschoben wird. Nur dann nützen wir auch die

Möglichkeiten der Gegenwart.

SI