Faust mit Himmler im Gespräch
gen Frankfurter Auschwitz-Prozeß, der jetzt 37 Jahre alte ehemalige Häftling Hans Frankenthal, war mit seiner 29 Menschen zählenden Familie nach Auschwitz verschleppt worden. Er sagte aus, daß er mit seinem Bruder im IG- Werk Monowitz in 60 bis 70 m Höhe ohne Sicherheitsgurt arbeiten mußte, denn Sicherheitsgurte wären auf Kosten der IG-Farben gegangen. Er habe erlebt,
„daß dabei viele Häftlinge abgestürzt seien. Aber es sei doch nicht so schlimm wie bei anderen Arbeitskom- mandos gewesen, wo man die Häft- linge zu Tode geschunden habe. Denn die SS-Bewacher seien zu feige ge- wesen, ihnen in die schwindelnden Höhen zu folgen, deshalb seien sie wenigstens dort vor weiteren Miß-
handlungen sicher gewesen. Fran- kenthal berichtete auch, wie sein Bruder einmal im Krankenhaus lag und er ihn abends mit Hilfe eines jü- dischen Arztes herausholte, weil am nächsten Tage alle Arbeitsunfähigen vergast werden sollten. Er habe dem im Sanitätsbau befindlichen Angeklag- ten Neubert vorgeschwindelt, sein Bruder werde dringend als Nieter im Buna-Werk gebraucht und müsse des- halb am nächsten Tag unbedingt auf der Arbeitsstelle erscheinen.„Du hast wohl Lunte gerochen“, habe Neu- bert ihm damals gesagt und hinzu- gefügt: ‚Es kann dir doch egal sein, ob dein Bruder jetzt oder in vier Wo- chen verreckt.“
(„Frankfurter Allgemeine Zeitung“,
Frankfurt a. M., 10. März 1964)
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