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Auschwitz : ein Tatsachenbericht ; das Vermächtnis der Opfer für uns Juden und für alle Menschen / Lucie Adelsberger
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Auseinandergerissenwerden von Eltern und Kindern, die in ferne Lande zogen, ungeheuer- lich. Viele junge Menschen blieben, nur weil sie diese Trennung, eine voraussichtlich end- gültige, nicht auf sich nehmen und die alten hilflosen Eltern nicht im Stich lassen wollten. Sie waren noch da, als die Menschenjagd be- gann, und die meisten haben ihre Treue mit dem Tode bezahlt, ohne helfen zu können. Das muß klar und deutlich gesagt werden für die, die gegangen waren und die aus Unkenntnis der Sachlage und falsch angebrachter Reue sich schlaflos mit Gewissensbissen auf ihrem Lager gewälzthaben und sich noch immer sinn- los mit Vorwürfen zermürben. Keiner konnte dem anderen helfen, auch nicht mit Einsatz seines Lebens. Die Kinder sahen zu, wie die Eltern abgeführt wurden, und die Eltern mußten es geschehen lassen, daß die Kinder, auf die sie angewiesen waren, von ihnen weggeholt wurden. Sie durften, wenn sie bei der plötzli- chen Abholung zufällig anwesend waren und wenn es den Gestapofunktionären gefiel, beim Packen helfen und ihnen noch einmal um den Hals fallen. Das war alles.

Ich habe meine Mutter sehr geliebt und bin ih- retwegen immer wieder nach Deutschland zu- rückgekommen. Als sie krank wurde, habe ich die letzte Chance zur Auswanderung vorbei-

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