Druckschrift 
Wir bezwangen den Tod / Juri Piljar ; Deutsch von Ellen Zunk
Entstehung
Seite
239
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Heinrich tritt an die Urne. Seine Wange, über die die Narbe läuft, zuckt.

Wir Deutschen und Österreicher schwören es! sagt er auf deutsch.

Wir schwören! dröhnt es feierlich über den Platz. Jetzt steht Henri Gardebois neben der Urne.

Wir Franzosen schwören!

Und wieder schallt es machtvoll über dien Platz:Wir schwören!

Nacheinander treten alle Mitglieder des ehemaligen Internationalen Komitees an die Urne. Zwölfmal dröhnen über den Lagerplatz in verschiedenen Sprachen die Worte:Wir schwören.

Wir schwören es euch, Oleg, Stepan Iwanowitsch, Ignat, Valentin, Schurka, sagt Viktor wie abwesend. Wir werden euch nicht vergessen und nicht zulassen, daß sich das alles jemals wiederholt.

Nein, wir werden es nicht zulassen. Vor meinen Augen flimmert es. Ich presse Viktors Hand. Er erwidert meinen Händedruck.

Der feierliche Akt ist zu Ende, die Menschen stürzen vor zur Tribüne. Die Sonne strahlt, die roten Fähnchen leuchten, und Hunderte abgemagerter Menschenhände recken sich dorthin, wo mit leicht verwirrtem und ver- legenem Lächeln der sowjetische Panzeroffizier steht, ein nicht mehr junger Mann mit breiten Backenknochen, die Spuren eingefressenen Straßenstaubs im müden, aber glücklichen Gesicht.