Druckschrift 
Wir bezwangen den Tod / Juri Piljar ; Deutsch von Ellen Zunk
Entstehung
Seite
222
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Zum zwanzigstenmal schließe ich die Augen und be- ginne im Geiste zu zählen:Eins, zwei, drei, vier... Eins, zwei, drei, vier... poltern schwere Schritte nebenan in der leeren Stube.

Ich werfe die Decke ab. Die Tür wird aufgerissen SS-Leute...

Auf!

Ich greife nach meiner Jacke, Die SS-Leute fallen über mich her. Ich erhalte einen Schlag auf den Kopf und stürze zu Boden. Stiefel stoßen mich in die Brust, ins Gesicht, in den Leib, dann ertönt wieder das hämische: Aufl

Wir sind aufgeflogen! Jemand hat uns verraten!

Ich erhebe mich. Blut sickert als kaltes Rinnsal über mein Gesicht und tropft auf den Fußboden; auf der Zunge spüre ich ausgeschlagene Zähneund den salzigen Geschmack von Blut. Ich blicke auf die hochgewach- senen, gutgenährten Kerle, die mich umstehen, sehe in ihre Gesichter und begreife: Das ist das Ende. Ruhe erfüllt mich wieder, die Ruhe«eines Menschen, der nichts mehr zu verlieren hat.

Ich richte mich hoch,

Komm heraus!

Ich schlage den mir zunächst stehenden SS-Mann in die Kinnlade; im Augenblick darauf befinde ich mich in einer bunten, phantastischen Welt. In dieser Welt gibt es keine lebendigen Menschen und nichts Gegenständ- liches. In ihr gibt es nur Schläge, Knirschen, Schreie, das Flimmern von etwas Glänzendem und einen wilden, reißenden, schneidenden Schmerz. Ich habe wahrscheinlich das Bewußtsein verloren, denn man begießt mich mit Wasser. Ich lecke meine Lippen ab, denn ich möchte trinken sie schmecken salzig. Ich beginne wieder zu sehen, und das, was ich