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Wie war das in Dachau? : Ein Versuch, der Wahrheit näherzukommen / von Johann Neuhäusler
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Hände waschen und erklären: Nicht durch die SS, sondern durch die eigenen Kameraden seien sie zu Tod geschlagen worden. Freilich, der Großteil der Blockältesten weigerte sich, diese Henkersarbeit an Kameraden zu leisten; aber einige fanden sich doch dazu bereit, um für sich Vorteile herauszuschla- gen; aus Berufsverbrechern und Asozialen wurde dann eine besondere Prügel- gruppe gebildet.

Arrest

Zur Züchtigungsstrafe gehörte die zusätzliche Arreststrafe von drei bis zu 42 Tagen. Als Liegestätte hatte der Gefangene nur eine Holzpritsche. Der Arrest konnte durch Verdunkelung der Zelle verschärft werden. Das Grau- samste war derStehbunker. In einem Raum, der etwa so groß wie eine Telefonzelle war(etwa 60% 60 cm)ich erinnere mich noch gut, wie sie gebaut wurden, mußte der Häftling drei Tage und drei Nächte stehen und bekam nur Wasser und Brot; nur jeden vierten Tag kam er in eine Normalzelle, erhielt Gefangenenkost und durfte für eine Nacht auf einer Holzpritsche schlafen! Dann ging das dreitägige Stehen von neuem an! Auf solch ab- scheuliche Weise schikanierten die sadistischen Nazis die Gefangenen.

In dieStehzelle mußte beispielsweise auch der Geistliche T'heissing von Aachen, weil er aus seiner Tätigkeit im Revier statistische Aufzeichnungen über die Todes- opfer der medizinischenExperimente(Ansteckung von Malaria, Phlegmone usw.) gemacht hatte, die der ebenso mutige wie gegen alle Mitgefangenen fürsorgliche Caritasdirektor Karls jeweils fortlaufend an sein Büro in Elberfeld schickte, bis der Schmuggel solcher Dokumente einmal entdeckt wurde. Karls, der im Gedanken, daß nun sein Kopf doch verloren sei, der Gestapo-Untersuchungsbehörde mit aller Offen- heit und Entschiedenheit entgegentrat, kam mit mehreren Wochen Dunkelarrest durch. Man stand davon ab, ihn zuliquidieren, weil man fürchtete, daß dann sein wohlverstecktes Material irgendwo im Ausland veröffentlicht würde.

Kein Wunder, daß sich jeder Gefangene vor jedemAuffallen hütete und fürchtete. Solche Strafen mußten ja nicht den sofortigen Tod oder körperliche Gebrechen herbeiführen, hatten aber doch zumindest schwerheilende Wunden und langwierige Schmerzen zur Folge. Darüber hinaus brachten solche Stra- fen die Gefahr, bei geringsten weiteren Verfehlungen noch härter gestraft zu werden. EinVorbestrafter ging bei jeder beliebigen Gelegenheit zum zweiten- und drittenmal an den Pfahl, an den Bock oder in Arrest.

Manche Schikanen und Torturen wären leichter zu ertragen gewesen, wenn die Lagergefangenen gesund, kräftig, gut genährt und entsprechend gekleidet gewesen wären. Bei den Wohn-, Verpflegungs- und Arbeitsbedingungen des Lagers genügten aber schon Erkältungen oder andere leichte Unzulänglich- keiten, um unheilbare Krankheiten hervorzurufen. Dies führte dann gar

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