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Beichte des Lagerkommandanten von Mauthausen / SS-Standartenführer Franz Ziereis
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Alles, was wir exekutiert haben, wurde vom Reichssicherheitsamt oder vom Reichsführer SS oder vom SS-Obergruppenführer Heydrich oder auch vom SS-Gruppenführer Müller, aber auch von Dr.Kalten- brunner, Chef der Sicherheitspolizei, angeordnet.

Von den letzten ungefähr 800 Häftlingen, die in Gusen II mit der Axt oder mit dem Knüppel erschlagen, teilweise auch ertränkt wurden, weiß ich nichts. Ich habe den Befehl hierzu nicht gegeben.

Auch von den 640 Häftlingen, die zuletzt in Gusen I.auf Block 31 durch die Häftlinge Figel, Amelung und Lisberg(letzterer war Blockältester des Blockes 15) auf Befehl des Schutzhaftlagerführers SS-Hauptsturmführer Fritz Seidler und Rapportführer Michael Killer- mann vergast wurden, weiß ich nichts. Die Häftlinge(sie wurden alle nach der Befreiung durch die amerikanischen Truppen von den anderen Häftlingen erschlagen), die diese Vergasung durchgeführt hatten, mußten diese Vergasung durchführen, da ihnen gesagt worden war, falls sie es nicht tun, sie nicht aus dem Lager herauskommen.

Wo der SS-Oberscharführer Jaentzsch ist, der in Gusen I unge- fähr 700 Häftlinge ermordet hat, indem er sie bei 12 Grad Frost nachts unter eiskaltem Wasser ein bis zwei Stunden stehen ließ, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, wo sich Doktor Kiesewetter, Lagerarzt in Gusen I, der mehrere hundert Häftlinge durch intravenöse Spritzen mit Benzin, Wasserstoff(40 ccm), Kalzium-Sulfuricum, Eunarcon und Evipan getötet hat, befindet.

Dr.Richter, SS-Obersturmführer, welcher mehrere hundert Häft- linge ohne jeglichen Grund operierte und ihnen teilweise das Gehirn ausgeschnitten hat oder Magenoperationen, Nieren- und Leberoperationen zu Studienzwecken durchgeführt hat, wurde von mir in das Lager Gunz- kirchen geschickt, mit dem Auftrag, die dortigen Insassen in ärzt- liche Obhut zu nehmen. Ich weiß auch nichts davon, daß der SS-Untersturmführer Miroff, der im Lager Pongau war, 15 kranke Häftlinge erschossen hat.\

Obwohl alle Prügelstrafen von Berlin bestätigt sein mußten, habe ich oft, sogar sehr oft, persönlich aus Wollust Häftlinge aufs Gesäß geschla- gen. SS-Gruppenführer Glücks hat die Anordnung gegeben, schwache Häftlinge als geisteskrank zu bezeichnen und sie in einer großen An- lage durch Gas umzubringen. Dort wurden ungefähr 1 bis 1% Mil- lionen Häftlinge vernichtet. Die Vernichtungsstelle heißt Hartheim und liegt ungefähr 10 Kilometer von Linz an der Donau entfernt in der Rich- tung Passau. Im Lager wurden diese vergasten Häftlinge alsnormal verstorben gemeldet. Die Todesmeldungen der noch lebenden Häftlinge, die sich bereits auf dem Transport befanden, wurden schon vorher in der politischen Abteilung des Konzentrationslagers Gusen ausgestellt.

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