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Auf dem Wege zur Republik
Deutscher Widerstand von Stalingrad bis zum Zusammenbruch
„Was aber, wenn Politiker auf gesetzlichem Wege Vollmacht über das Regierungsgerüst erlangen, den Geist der Regierung jedoch kreuzigen würden?‘‘! Charles A.Beard.
Von New-York aus warf Professor Charles A. Beard 1943 den versklavten Menschen Europas das Losungswort ‚Aufstand‘ zu. Wenn, so sagte er damals, Politiker den Geist der Freiheit und der Staatsverfassung kreuzigen, dann muß man die stadt- lichen Formen zerbrechen, die zu leeren Hüllen geworcen sind. Zu dieser Zeit bereiteten in der Tat die Führer der europäischen Widerstandsbewegung einen Generaloufstand gegen die faschistischen Diktotoren vor, zumeist gekoppelt mit militärischen Aktionen, die von den alliierten Mächten geplant wurden. Nur in Deutschland und Italien, den zentral-europäischen Stützpunkten der faschistischen Diktatur, war es den leitern der Widersiandsbewegung zunächst nicht möglich, ihre Aktionen mit denen einer oder mehrerer allıierter Mächte abzustimmen. Insbesondere die deutschen Widerstandsgruppen standen bereits damals unter dem Schatten der — wenn auch durch die Kriegspartnerschaft noch verhüllten— Spannungen zwischen den West- und Ost-Alliierten. Sıe, die Deutschen, waren schuizloser als Norweger, Franzosen oder Belgier dem von Deutschen ausgeklügelten System des politischen Terrors ausgeliefert und kämpften zugleich an einer zweiten, ebenso starren Front: der Front der nationalen Vorurteile. Wie der französısche General der Reserve, Petit, Ende Februar 1949 in Paris erklärte, betrachteten 1943/1944 immer mehr Franzosen jede Kollcboration mit den Deutschen als eine Art Fahnenflucht Die Schwunagakraft des französischen Maquis wurde demnach in erster Linie ausgelöst durch die national- französısche Empörung über die deutsche Okkupationsmacht. Die Empörung gegen die Deutschen und ihre Helfer, die scheinbar Legalen wurden zur nationalen Pflicht. Von den britischen Inseln und der Pyrendenhalbinsel aus wurde zudem diese Empörung gegen den ‚Feind der Nation’ durch Fallschirmagenten der Westmächte und durch systematische Woffenlieferungen genährt. Jener Belgier, der 1942 von Brüssel aus die genauen Pläne der Möhne-Talsperre nach London übermitteln ließ, tat es, weil er die Nazis aus politischen Gründen verabscheute und erst in zweiter Linie als belgischer Patriot. Den nationalen Vorteil aber hatte die britische Kriegs- führung, als die RAF das Ruhrgebiet bombardierte und mit Hilfe der Skizzen die Talsperre zerstörte.
Von allen diesen Vorteilen wußten die Vertreter der Widerstandsgruppen in Deutsch- land nichts. Von 1939 bis 1941 waren sie durch die nationalsozialıstische Politik der Ueberraschungen in die Defensive gedrängt und auf wenige Hundertschaften zu- scmmengeschmolzen.
Der deuisch-sowjetische Pakt’und die von Hitler nach Compi°®gne betriebene Politik der deutsch-französischen ‚ Annäherung(Gespräche von Montoire) schienen die außenpolitischen Argumente Hitlers zu stützen. Auf dem Gipfel des Triumphes ver- suchien er und seine Heifer Ende 1940 dann, auch der deutschen Opposilion die innerpolitischen Argumente aus der Hand zu schlagen. Am 10. Dezember 1940 recht- fertigie Hitler selber in der Montage-Halle von Siemens-Schuckert vor zwölftousand Berliner Arbeitern den Terror»„Jawohl, wir terrorisieren die Freiheit, auf Kosten der Gemeinschaft zu profitieren und wenn es notwendig ist, beseitigen wir sıe sogar.” Er sprach vor einer Zuhörerschaft, die zu 70 Prozent noch zehn Jahre zuvor in den Reihen der marxistischen Arbeiterorganisationen gegen ihn gekämpft hatten. Da er sie für die gefährlichsten unier seinen potentiellen Gegnern hiek, gab er sich als einer der ihren aus(‚Ich bin ein Vertreter der Habenichtse‘'), sprach vom ‚‚Klassen- kampf der Nationen‘(so wie früher die Sozialisten vom Kampf der klassenbewußten Arbeiterschaft), vom„braven deutschen Proleten‘‘ und machte die Restopposition aus dem bürgerlichen Lager Deutschlands(‚jener Intellektuellen‘) in den Augen der Arbeiterschaft. lächerlich,‘um eine Einheitsfront dieser Gruppe zu verhindern. Drei Jahre dauerte es, bis die Thesen der deutschen Widerstandsbewegung auch vor der Majorität des Volkes durch den Verlauf des Krieges gerechtfertigt wurden. Hitler selber schob damals in seine Reden die düstere Warnung vor der Zu-
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