Was war 07 und FBA?
Im Keller des großen Luftgaugebäudes sind verschiedene Wehrmachtsvermittlungen. Ich löse ab, die Kameraden gehen schlafen. Die Gespräche jagen sich, Ausnahme— Führungsblitz— Flugnotigespräch. Gegen Morgen meldet sich das OKH. Der General redet gleich drauflos. Das Bataillon hat notfalls bıs zum letzten Mann zu kämpfen. Ich kann den Wahnsinn nicht fassen... fast ohne Waffen?..., Ich trenne ent- schlossen und sage: ‚Herr Hauptmann, das Volkssturmbataillon ist wegen der un- zureichenden Bewaffnung zurückzuführen und aufzulösen.” Ueberall saßen damals in München die Männer der 07 und bereiteten so die Be- fıeiung ihrer Vaterstadt vor. Schon seit 1937 hatte sich ja eine kleine Gruppe Gleich- gesinnter zusammengefunden, um die Bevölkerung über den wahren Charakter des NS-Regimes aufzuklären. Auf dem Vervielfältigungsapparat einer Münchener Ver- sicherungsgesellschaft wurden die ersten Flugblälter hergestellt, als Kettenbriefe verschickt oder an Gartenzäune, Mauern und Fabriktore geklebt. Ein Kamerad spezialisierte sich auf Mauerbeschrifiungen. In der Nacht zum 28. April 1945 wurde der Aufstand in München mit der Dolmetscher- Kompanie gewagt. Waffen waren seit langem gehortet worden. Benzin wurde„OrgQa- nisiert‘‘. Von Epp wurde verhaftet, das Zentralministerium nach kurzem Kampf ge- stürmt, doch Giesler war nicht® anwesend. Der Befehlsbunker in Pullach, von SS verteidigt, konnte nicht genommen werden, doch gelang es, die Ausgänge zu spren- gen und so Oberbefehlshaber Süd vorläufig auszuschalten. Ein Siurmzug der FAB | besetzte das Rathaus. Der Wehrmachtsender Freimann wurde besetzt. Um 3 Uhr gin- En gen die ersten Aufrufe heraus. Sender Erding begann gegen 7 Uhr mit Ansprache '# von Dr. Gerngroß. Daraufhin kapitulierten allein in der Amper-Glonnstellung 46 000 Mann. Giesler holte zum Gegenschlag aus. Teile dreier SS-Divisionen und Sturmtrupps überwältigten den Widerstand. Der Sender fiel zuletzt. Doch in München konnte sich 07 noch halten. Die Vermittlungen im Luftgaugebäude werden zerstört. 12 Stun- den später trafen US-Truppen ein. München fiel kampflos in ihre Hände. Die Rundfunksendungen waren für die auswärtigen Gruppen das Zeichen zum Los- schlagen. So konnie die Verteidigung von Dingolfing und Bad Aibling und sinn- lose Sprengungen verhindert werden, wie in Wolfrathshausen. In Landshut wurde der Leiter der Widerstandsgruppe von SS öffentlich gehenkt, doch 07 setzte sich durch. Die Verteidigung wird als ‚„unzweckmäßig‘ abgeblasen. So haben sich in diesen Tagen die als„Landesverräter”‘ gebrandmarkten Gegner der Hitler-Diktatur als die eigentlichen Beschützer und Retter ihrer Heimat erwiesen. | Ihrer Aktivität ist es zu danken, daß vieles sinnloses Blutvergießen oftmals vermie- den werden konnte. Der Aufruf des Heimatschutzes(Oberstdorfer Freiheitsaktion) den Dr. Ernst Richter und Dr. Franz J. Pister schon im März 1945 entwarfen und drucken ließen, sah so aus:
Aufruf!
12 1. Der Zusammenbruch unserer Fronten ist eine voliendete Tatsache.
| 2. Verblendete und verbrecherische Elemente haben vor, trotzdem dem übermäch- tigen Feind nutzlosen Widerstand entgegenzusetzen,
3. Durch unser rechtzeitiges entschlossenes Eingreifen soll verhindert werden, daß auch noch unsere engere Heimat unsinnig geopfert wird und in Flammen auf- geht. Widerstand gegen die Besatzung erfolgt nicht.
4. Deshalb tritt mil sofortiger Wirkung der freiwillige Heimatschutz in Aktion. Er hat nichts mit der Partei oder einer ihrer Gliederungen zu tun und hat ab heute Euren Schutz übernommen,
j 5. Schließt Euch den Männern mit der weiß-blauen Armbinde an und folgt deren
i| Weisungen. Sie sorgen für Ruhe und Ordnung und werden verhindern, daß Par-
} tei, SS oder HJ in blinder Raserei Eure Wohnstätten zerstören.
! 6. Die Existenz der Partei hat bei uns aufgehört. Sie hat wahrlich genug Blut über unser Volk und über unsere Heimat gebracht.
7. Die Schuldigen werden zur Verantwortung gezogen. Sie sind uns bekannt.
8, Einzelaktionen haben zu unterbleiben, jedoch wird bei Widersetzlichkeit von Heimatschutzorganen rücksichtslos von der Waffe Gebrauch gemacht.
9. Aus diesen Gründen wurde mit sofortiger Wirkung der Heimat-Schutz aufgerufen. Nur ruhige beherzte Männef, die mit uns für Ruhe und Ordnung und Sauberkeit eintreten, haben in unseren Reihen Platz. 5
10. Haltet in diesen kritischen Togen, in denen alles auf dem Spiele steht, Disziplin! Falsche Gerüchte werden strergı geahndet.
11.. Weiteres Blutvergießen muß verhindert werden. Wir dulden keine„Werwölfe‘”.
| Derartige Elemenie werden rücksichtslos ausgemerzt. Der Kampf aus dem-Hinter-
| halt ist nicht deutsch, x
ji 12. Freiwillige vor zum Heimatschutz! Vertraut uns! Unsere Heimat darf‘nicht ster-
ben, sie ist das letzte, was wir noch haben.
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