1941, „ben
Helmuth von Molike
(Kreisauer Kreis)
„Mein Liebes, denk mal, wie schön, daß ich noch einmal hier nach Tegel zurück- gebracht worden bin, daß die Würfel, deren Fall schon genau feststeht, sozusagen
auf. der Kante noch einmal halten. So kann ich noch in Frieden einen Bericht schreiben.
Erst einmal den Schluß vorweg: Um 3 Uhr etwa verlas Schulze, der keinen üblen Eindruck machte, die Anträge: Moltke: Tod und Vermögenseinziehung, Delp desgl., Gerstenmaier Tod; Reisert und Sperr desgl., Fugger 3 Jahre Zuchthaus, Steltzer und Haubach abgetrennt. Die Verhandlung spielte sich so ab: Freisler erzählt den Lebenslauf, man bejaht oder ergänzt, und dann kommen diejenigen Tatfragen, die ihn interessieren. Da schneidet er aus’ dem Tatbestand eben Dinge heraus, die ihm pcssen, und läßt andere weg.„Vorbereitung zum Hochveirat begeht, der zwar selbst jede Gewaltanwendung ablehnt aber Vorbereitungen für den Fall trifft, daß ein anderer, nämlich der Feind, die Regierung mit Gewalt beseitigt, dann rechnet er eben mit der Gewalt des Feindes.’ ‚Vorbereitung zum Hochverrat begeht jeder, der sich irgend ein Urteil über eine Angelegenheit anmaßt, die der Führer zu ent- scheiden hat.‘ Daraus gibt es nur einen Schluß: Hochverrat begeht, wer dem Herrn Freisler nicht paßt.
Hingegen war.auch in den anderen Vernehmungen der Name Moltke immerzu zu hören. Wie ein roter Faden zog sich das durch alles durch, und nach den oben angeführten ‚„Richtsätzen’’ des Volksgerichtshofes war ja klar, daß ich umgebracht werden sollte. Typisch nur ein Vorfall. Aus irgendeinem Grunde wurde e’n Straf- gesetzbuch gebraucht, weil Freisler was daraus vorlesen wollte. Es stellte sich aber heraus, daß keines aufzufinden war.
Nun kommt der zweite Tag. Da fing es mit mir an, Im milden Tone ging es los, sehr schnell, sozusagen rapid. Gott sei Dank, daß ich flink bin und Freislers Tempo spielend mitmachte. Aber wenn er das bei einem Manne exerziert, der nicht ganz schnell ist, so ist der verurteilt, ehe er bemerkt hat, daß Freisler die Personalien hinter sich gelassen hat. Dann kam mein Einwand, da bekam Freisler Tobsuchts- anfall Nr. 1. Ein Orkan brach los, er hieb auf den Tisch, lief so rot an wie seine Robe und tobte:„So etwas verbitte ich mir, so etwos höre ich mir gar nicht an’. Da ich ohnehin wußte, was rauskam, war mir das alles gonz gleich. Ich sah ıhm eisig in die Augen, was er offenbar nicht schätzte, und plötzlich konnte ich nicht umhin zu lächeln.”
15. Oktober 1944: Stabsfeldwebel Fischer sprengt sich bei Lorient mit 4000 Granaten in die Luft, um sie dem Einsatz zu entziehen.
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