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SOS Buchenwald!
Mit dem unaufhaltsamen Vormarsch der alliierten Streitkräfte stieg die Hoffnung für die Häftlinge, lebend der Mordbölle zu entrinnen, und noch ehe die Befreiung von außen kam, flammte der innere Widerstandsgeist auf. Es kam die Stunde, in der sich das sogenannte„Elektrikerkommando“ zu bewähren hatte. Dieses Kommando war wohl für uns volitische Gefangene das allerwichtigste. Die dort beschäftigten Gefangenen waren im Zivilleben Spezialisten in ihrem Fach. Es waren Leute. die„eisern“ standen und unter Nichtachtung ihres eigenen Lebens in monatelanger, Tag und Nacht wäbren⸗ der Kleinarbeit eine Sendeanlage bauten.
Wie das möglich war? Nun, bei uns politischen Häftlingen war nichts unmöglich! Buchenwald besaß als moderne Zwingburg der Faschisten auch eine Sende⸗, Fernschreibe⸗ und Signalabteilung. Der Zutritt zu diesen Stellen war einigen unserer Leute, eben dem Elektriker⸗ Kommando, möglich, da sie dort Reparaturen an den Anlagen ausführen mußten. Auch gelang es dem Elektriker⸗Kommando, durch Arbeiten an der Zaunbeleuchtung sowie durch viele andere Arbeiten in den Besitz von Material und Gerät zu gelangen, kurzum: die Tatsache möge genügen, die Sendeanlage war da und funktionierte.
Die Lagerleitung wußte davon. Der Lagerkommandant Pister, der SS⸗ Obersturmführer Kampe und viele andere suchten wochenlang Tag und Nacht fieberhaft nach dieser Anlage. Einmal hieß es. sie stehe fünfundzwan⸗ zig Kilometer von Weimar entfernt. das andere Mal, sie könne nur im Lager selbst sein. Und sie war im Lager selbst!!
Mit Peilgeräten ausgerüstet, so suchten die SS⸗Leute fieberhaft nach der Station, aber sie fanden sie nicht. Als fliegende Anlage wechselte sie dauernd
ihren Standort. Nur in der Nacht waren wenige entschlossene Kämpfer, die
ibr Leben für die gute Sache in die Schanze schlugen, eifrig am Gerät und sendeten ihre Rufe binaus in die Nacht.
„sos! SOS! 80s! An die Alliierten! Hier spricht das Konzentra⸗ tionslager Buchenwald bei Weimar! 80s! Wir volitischen Gefange⸗ nen sollen noch in letzter Minute ermordet werden! Wir bitten drin⸗ gend um Hilfe!“
„An die Armee des Generals Patten! Hier Konzentrationslager Buchenwald! 80s! Man will uns evakuieren! Die SS will uns ver⸗ nichten! Helft, so schnell ihr könnt!“
Diese Sendungen wurden in der Nacht zehn⸗ bis zwölfmal wiederholt. Daß sie gehört wurden, wußten wir Gefangenen. Am nächsten Morgen kreisten dann immer Jabos über dem Lager und warfen auch einmal einen Beutel für uns ab. Leider fiel er in die Hände der SS. f
Der Lagerkommandant tobte und schrie. Es war ihm aber nicht möglich. die Sendeanlage aufzufinden Er drohte, uns politische Gefangene alle er⸗ schießen zu lassen, wenn innerhalb zwei Stunden die Anlage nicht in seinen Händen wäre..
Wir Gefangenen aber standen mit den unschuldigsten Mienen der Welt vor ihm und versicherten treuherzig, daß so eine Anlage in diesem Lager ia


