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Tatsachen klagen an! : Berichte der Überlebenden / hrsg. vom Rat der Stadt Dresden, Soziale Fürsorge, Kommunale Hilfsstelle: Opfer des Faschismus
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Am 2. Dezember 1937 begann die Menschensagd. Angeblich seblte ein politischer Häftling Weinreuter. Seit zwei Tagen suchte man ibn. er aber war bereits tot und lag in der Blockfübrerstube. Fischer und Bremer wurden dem Suchkommando zugeteilt. Wir kannten die Bedeutung, und auch unsere beiden Kameraden wußten das, sie waren vorsichtig, gingen nicht nabe an die Postenkette, sondern hielten sich immer so, daz die SS nicht zum

Schuß kam.Auf der Flucht ist man schnell erschossen.

Die beabsichtigte Ermordung klappte nicht, deshalb trat das gesamte Lager am 2. Dezember 13 Uhr geschlossen auf dem Apvpellplatz an. Gegen 14 Uhr wurde gerufen:Fischer und Bremer zum Rapportführer! Im Laufschritt rannten diese beiden die Front der Häftlinge abschiednehmend ab zum Rapportführer. Dieser übergab sie der SS mit den Worten:Zur politischen Aburteilung! Sie gehen auf Urlaub. Dann wurden sie abgeführt. Ungeheure Spannung lag über uns, nach etwa zehn Minuten krachten Schüsse, alles sah aufmerksam in diese Richtung. Darauf krähte eine heisere Stimme vom SS⸗Sturm:Was gibt's denn da zu sehen? Nasen geradeaus!

Fischer und Bremer waren nicht mehr und doch, sie waren noch unter uns. Erst später erfahren wir das Grauenbaftests.

Standartenführer Karl Koch

Standartenführer Karl Koch hatte nicht genug an dem Tode dieser beiden politischen Kämpfer, er trieb sein Verbrechen bis zur böchsten Spitze. Er ließ den zwei Leichen die Köpfe abschneiden, die Köpfe kochen, reinigen und präparieren. In der Tischleret Buchenwald wurden Holssockel angefertigt, die wir polierten mußten, und dann kam Hauptscharführer Arno Weber und brachte uns zwei Totenköpfe.

In eingehenden Erörterungen und Vernehmungen, die von uns sofort durchgeführt wurden, erkannten wir an den Zähnen und anderen Merkmalen Fischer und Bremer wieder. Beide wanderten nun auf den Schreibtisch des Standartenführers Koch: einen behielt er in seiner Dienstwohnung. und einer kam in seine Privatwohnung.

Jahrelang saß der Mörder vor den Köpfen seiner Opfer. Doch eines Tages ereilte auch ihn der Tod. Im Laufe der Auflösung seines Besitzes ver⸗ schwanden auch die beiden Köpfe. Wohin wissen wir heute noch nicht.

Wir fragen: Wo sind die Sachen von Standartenführer Karl Koch. Buchenwald?

Wir rufen Prag. Bei Prag lag ein Landbaus von Koch, zuletzt bewohnt von Frau Koch.

Wo ist Frau Koch?

Wer weiß etwas über den Verbleib von Oskar Fischer und Hans Bremer? Sie sind tot aber doch sind sie noch unter uns in Gestalt ibrer Köpfe, im Geiste bei unserem Kampfe für Menschenrecht und Freiheit.

Franz Dobbermann. Dresden.