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Tatsachen klagen an! : Berichte der Überlebenden / hrsg. vom Rat der Stadt Dresden, Soziale Fürsorge, Kommunale Hilfsstelle: Opfer des Faschismus
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Aufbau des Todeslagers Lublin

Nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch deutsche Truppen kam ich, wie viele andere Tschechen auch. zum Zwecke derUmschulung in deutsche Konzentrationslager.

Was ich verbrochen hatte? Mein Gott, ich war Tscheche, war das an sich nicht schon Verbrechen genug?

Ich war in Auschwitz, in Buchenwald und auch im Konzentrationslager Lublin. Das Konzentrationslager Lublin ist unter dem NamenVernich⸗ tungslager Maidanek bekannt geworden. Als Ingenieur war ich in der Nähe von Prag in einer Porzellanfabrik als leitender Angestellter tätig gewesen.

Ich verfluche noch heute die Stunde, da ich auf Fragen eines höheren SS⸗Führers nach meinen Berufskenntnissen im Lager Buchenwald darüber Auskunft gab.

Da ich in der Porzellanbrennerei sehr gut Bescheid wußte, sollte ich nun

am Aufbau des Todeslagers Lublin mithelfen.

Wie ich zu meinem Entsetzen aus der weiteren Unterhaltung erfuhr, war der SS⸗Offizier, dem ich Rede und Antwort stehen mußte, im Auftrage höherer Stäbe auf einer dienstlichen Besichtigungs⸗ und Informationsreise durch die deutschen Lager unterwegs, umFachleute für den Aufbau des Konzentrationslagers in Maidanek aufzutreiben.

Alle meine Versuche, mich dieses Auftrages zu entziehen, mein bescheide⸗ ner Hinweis auf meinen körperlichen Zustand ich wog nur noch 50 Kilo⸗ gramm. nützten nichts.Wir werden dich schon auffüttern! war die Antwort.

Ich bekam Räuberzivil verpaßt, in der Sträflingskleidung wollte man mich nicht auf die weite Reise schicken, und unter demSchutz zweier Gestapo⸗Beamter ging es mit dem D⸗Zug nach Lublin.

Es war Anfang Januar 1941. Ich litt außerordentlich stark unter der Kälte, da ich nur eine dünne Sommerhose und ein fadenscheiniges Jackett anhatte. Meine Bitte um wärmende Wäsche und einen Mantel wurde ab⸗ gelehnt.Fahre nur los, mein Junge, sagte der Lagerkommandan! mit hämischem Grinsen zu mir,da, wo du binkommst, wird dir schon von alleine warm werden!

Polnische und andere inhaftierte Ingenieure, sowie Gefangene, die unter der Aufsicht der SS arbeiten mußten, lernte ich hier kennen.

Wir bekamen Befehl, das Lager zur Aufnahme mehrerer hundert⸗ tausend Menschen herzustellen. Die SS trieb zu einem mörderischen Tempo an.

Ich erfuhr, daß hier auf Befehl des Reichsführers SS Himmler die größte Pernichtungsanlage zur Ausrottung der Feinde Deutschlands geschaf⸗ fen werden sollte Es sollte die größteTodesfabrik Europas werden.

Wie am laufenden Band strömten täglich unzählige Transporte gefange⸗ ner Russen. Polen und Tschechen ins Lager, auch Angehörige anderer Na⸗ tionen waren zahlreich vertreten.