EPILOG
Es gab ein Konzentrationslager, das 1945, nachdem es vom Schutt des Todes gesäubert worden war, zur allgemeinen Besichtigung frei- gegeben wurde. Es war das Konzentrationslager Dachau in der Nähe von München, und wer es besuchte, nahm Erinnerungen mit, die er nie mehr loswerden kann.
Die einzigen Gefangenen, die er vorfand, waren Deutsche, denen Kriegsverbrechen zur Last gelegt wurden und die auf ihre Aburteilung oder Freisprechung warteten. Jeder von ihnen lebte in einer hellen, bequem eingerichteten luftigen Zelle mit elektrischem Licht und Zentralheizung, einem Bett, einem Tisch, einem Stuhl und Büchern. Sie sahen alle wohl und gutgenährt aus, und auf ihren Gesichtern lag ein Zug leichter Verwunderung. Sie müssen sich in der Tat gefragt haben, wo sie waren.
Ging der Besucher von den nun so sauberen und ordentlichen Unterkünften zur anderen Seite des Lagers hinüber, gelangte er zum Gelände des Krematoriums. Dort befand sich die ganze gut- erhaltene Todesmaschinerie, die solange dazu benutzt worden war,
alle zu beseitigen, die sich erkühnten, den Weg des Führers zu kreuzen.
Fort waren die Leichen, die einst im Nebenraum auf die Ver- brennung warteten, weil die Gaskammer mehr Menschen tötete, als die Öfen fassen konnten; fort waren die langen Schlangen elender Menschen, die im Umkleideraum anstanden, bis sich die Todes- kammer für sie öffnete. Sie waren fort für immer, aber ihre Schatten waren geblieben, und alles atmete die Erinnerung an sie.
Geblieben waren der sauber gefegte Raum, in dem sich die Opfer auszogen, die eigentliche Gaskammer mit dem Guckloch, durch das der Techniker den Todeskampf der Opfer beobachtete, um dann den elektrischen Ventilator anzustellen, der die Luft von den tödlichen Dünsten reinigte; geblieben waren nebenan das Krematorium und die Bahren mit den eisernen Rädern, die die Leichen dem Schlund des Ofens zuführten, der kleine Raum, in dem die Toten bis zur
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