Druckschrift 
Geissel der Menschheit : kurze Geschichte der Nazikriegsverbrechen / Lord Russell of Liverpool ; deutsch von Roswitha Czollek
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen

einem Waffenstillstand noch zum Frieden kommen können... Wir werden die Juden schlagen, wo immer wir sie treffen, und wer mit ihnen gemeinsame Sache macht, muß die Folgen tragen. Der Führer hat erklärt, daß die Juden in Europa ausgespielt haben, und sie müssen daher ausgespielt haben.

Es folgten dann eine Reihe antisemitischer Verordnungen, durch die alle Juden den üblichen demütigenden Beschränkungen unter- worfen wurden. Man beraubte sie ihrer Vermögensrechte und ihrer staatsbürgerlichen Freiheiten; sie wurden gezwungen, ihre Unter- nehmen registrieren zu lassen, darunter alle Firmen mit vorwiegend jüdischer Beteiligung, und die Besatzungsbehörden konnten eigen- mächtig das Arbeitsverhältnis eines jeden Juden lösen.

Aber das alles war nur der Anfang. Diese Maßnahmen sollten es den deutschen Besatzungsbehörden später ermöglichen, ihr Pro- gramm der Massendeportierung zu verwirklichen.

Von den insgesamt 140 000 Juden, die zur Zeit der Naziinvasion in Holland lebten, wurden mehr als 115 000 nach Polen deportiert, wo das schließliche Schicksal der meisten von ihnen außer Zweifel stand.

Weitere 2000 wurden nach Buchenwald und Mauthausen gebracht, von wo ihre Asche den Angehörigen nach der Verbrennung gegen Zahlung von 75 Gulden zugeschickt wurde.

Der jüdischen Bevölkerung Ungarns war ein ähnliches Los be- schieden. 1944 wurden mehr als 200 000 Juden abgeholt und zum großen Teil in Güterwagen verladen und in Vernichtungslager ge- bracht.

Bei ihrer Ankunft in Budapest wurden die deutschen Besatzungs- truppen von einem Einsatzkommando der Sipo begleitet, dessen Auf- gabe hier wie in den anderen Ländern ihres Einsatzgebietes in der Liquidierung der Juden bestand. Den Befehl hatte SS-Obersturm- bannführer Adolf Eichmann, ein höherer Beamter aus dem RSHA. Die Einheit verhaftete alle führenden jüdischen Persönlichkeiten des politischen und wirtschaftlichen Lebens in Ungarn sowie Journalisten und alle demokratischen und antifaschistischen Politiker.

256