Druckschrift 
Geissel der Menschheit : kurze Geschichte der Nazikriegsverbrechen / Lord Russell of Liverpool ; deutsch von Roswitha Czollek
Entstehung
Seite
243
Einzelbild herunterladen

gegen m.der ndern Weise

wie die Männer, das heißt durch Erschießen, getötet worden. Die Gaswagen, ein neues Mordinstrument, waren so konstruiert, daß man ihnen ihre wahre Bestimmung von außen nicht ansah. Sie sahen wie gewöhnliche Fahrzeuge aus, waren jedoch so gebaut, daß beim An- lassen eines Motors Gas in den Innenraum einströmte und in 10 bis 15 Minuten den Tod der Insassen verursachte. Der geniale Erfinder war ein Dr. Becker, der den Rang eines SS-Untersturmführers be- kleidete und für den Fahrzeugpark der Einsatzgruppe Ohlendorfs verantwortlich war.

Die Nazis waren Experten im Gebrauch euphemistischer Um- schreibungen, und wenn es sich ums Töten handelte, nannten sie die Dinge niemals bei ihrem richtigen Namen. Sonderbehandlung, Ver- nichtung, Liquidierung, Beseitigung, Umsiedlung und Endlösung waren Synonyme für Mord, und es wäre nicht uninteressant, zu über- legen, unter welch harmloser Bezeichnung diese Wagen wohl im Inventarverzeichnis der SS geführt wurden.

Eine ausführliche Beschreibung der Gaswagen und ihres Mechanis- mus findet sich in einem streng geheimen Dokument, das der Erfinder an den SS-Obersturmbannführer Rauff, einen höheren SS-Stabs- offizier im RSHA, sandte.

Becker berichtete, daß die Erprobung beider Wagentypen der Serie I und derSerie II abgeschlossen sei und daß man einige Verbesserungen und Veränderungen vorgenommen habe. Die Wagen der Serie I könnten fast bei jeder Witterung eingesetzt werden, während die der Serie II schon beim geringsten Regen unbrauchbar würden und nur bei völlig trockenem Wetter in Frage kämen. Es sei zu erwägen, ob die Wagen nicht nur stationär am Hinrichtungsplatz verwendet werden sollten. Es hätten sich nämlich viele Schwierig- keiten ergeben.

Vor allem müßten die Wagen erst zum Ort der Hinrichtung ge- fahren werden, der gewöhnlich Dutzende Kilometer von der Land- straße entfernt und bei feuchtem Wetter unzugänglich sei. Bringe man die Opfer jedoch zu Fuß dorthin, würden sie sofort Verdacht schöpfen und unruhig werden. Das seinicht wünschenswert. Die einzige empfehlenswerte Lösung bestehe nach seiner Auf- fassung darin, die Menschen auf Fahrzeuge zuverladen(er schrieb

243