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Nach Erhalt dieser Instruktionen begab sich der Einsatzleiter nach Gleiwitz, wo er auf das Stichwort von Heydrich warten sollte. Bei dieser Gelegenheit suchte er Heinrich Müller, den Chef des Amtes IV des RSHA, auf, der sich zu der Zeit im gleichen Bezirk aufhielt und der ihm von einem weiteren geplanten Grenzzwischenfall berichtete. Diesmal sollten Angriffe polnischer Soldaten auf deutsche Truppen vorgetäuscht werden.
Die Gestapo wollte für dieses Unternehmen eine Anzahl verurteilter Krimineller zur Verfügung stellen, die in polnischer Uniform tot auf dem Schauplatz der Handlung zurückbleiben sollten, nachdem man ihnen zuvor tödlich wirkende Spritzen verabreicht und mit Gewehren Schußwunden beigebracht hätte. Dadurch sollte der Eindruck er- weckt werden, als seien diese„Polen“ bei einem Angriff auf deutsche Truppen gefallen.
Einen dieser Strohmänner, die in allen Korrespondenzen mit dem Deckwort„Konserven“ bezeichnet wurden, wollte die Gestapo auch für das Gleiwitzunternehmen zur Verfügung stellen.
Der Zwischenfall von Gleiwitz ereignete sich am Abend vor der deutschen Invasion Polens; er wurde von dem SS-Führer des Stoß- trupps folgendermaßen beschrieben:
Am Mittag des 31. August 1939 bekam ich von Heydrich per Telefon das Schlüsselwort, daß der Anschlag um acht Uhr abends desselben Ta- ges zuerfolgen habe. Heydrich sagte:„Um diesen Anschlag auszuführen, melden Sie sich bei Müller wegen der ‚Konserven‘.“ Ich tat dies und wies Müller an, den Mann in der Nähe der Radiostation abzuliefern. Ich... ließ ihn am Eingang der Station hinlegen. Er war am Leben, aber nicht bei Bewußtsein. Wir nahmen die Radiostation wie be- fohlen, hielten eine drei oder vier Minuten lange Rede über einen Notsender, feuerten einige Pistolenschüsse ab und verließen den Platz.
Und wie die SS den Vorhang zur Invasion Polens aufgezogen hatte, so sollte sie ihn am Schluß der Vorstellung auch fallen lassen. Im April 1945 arbeitete Obergruppenführer Kaltenbrunner Pläne für die Zerstörung der Konzentrationslager und die Beseitigung all ihrer Insassen aus. Alle Beweise für das Ausrottungsprogramm sollten ver- nichtet werden. Diese Pläne, die unter den Deckworten„Wolke A-1“
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