groß war die Gefahr für das eigene Leben, wenn diese Arbeitseinsatz-Häftlinge den einen oder anderen Namen aus den Listen der bereits für die Uckermark ausgesuchten Frauen wieder strichen oder ihr Unter- tauchen in irgendeinem Winkel des Lagers organi- sierten!
Dem Zusammenwirken vieler Antifaschistinnen war es auch zu verdanken, wenn es sogar im„Idiotenstüb- chen“ des Blocks 10 gelang, den armen, gequälten Frauen dort wesentliche Erleichterungen zu bringen, als eine der Widerstandskämpferinnen die Leitung übernommen hatte. Eine größere Anzahl konnte heim- lich aus dem„Stübchen“ entfernt werden, tauchte irgendwo im Lager unter oder wurde in einem ande- ren Krankenblock untergebracht. Entgegen den bis- herigen Verhältnissen wurden Strohsäcke und Decken in den Raum gelegt. Die Kameradinnen aus der Klei- derkammer besorgten Kleider, Strümpfe und Schuhe für die Kranken, und die Klempnerkolonne entfernte den Holzverschlag vor den Fenstern und schützte die neu eingesetzten Fensterscheiben von innen durch ein Drahtgitter vor den wirklich Irren. Damit man heizen konnte, zog sie um den Ofen ein gleiches Gitter herum. Alle Kranken erhielten statt der bisherigen halben ihre volle Ration Essen, und nach und nach wurden sie aus dem„Stübchen“ entfernt, so daß sie den Augen der Ärzte und ihrer erbitterten Feindin, der Oberschwester Marschall, entzogen waren.
Antonina Nikiforowa, eine der besten Widerstands- kämpferinnen des Reviers, schildert in ihren Erinne- rungen, daß sie durch deutsche Kameradinnen die Mitteilung erhalten hatte, daß zwölf sowjetische Mäd- chen auf einer Liste von Häftlingen standen, die nach Lublin in die Vergasung geschickt werden sollten:
„Wir beschlossen, die weißen Karteikarten der ausgesuchten Kranken zu vernichten, um auf diese Weise unsere Genossinnen aus der Liste der


