Gelände befinden mußten. Und als die fluchenden Fahrer endlich anhielten, die Planen zurückgezogen wurden und die Häftlinge unter dem wütenden Gebell der Wachhunde, dem Gebrüll, den Schlägen und Püf- fen der Männer in der schwarzen Uniform der SS- Totenkopfverbände in wilder Hast die Wagen verlas- sen hatten, sahen sie sich um. Sie befanden sich an einem kleinen See. Vor ihnen dehnte sich, leicht an- steigend, die typische mecklenburgische Landschaft aus gelbem Sand, mit herbstlich welkenden Birken und Kiefern.
In unendlich mühevoller Arbeit, vom Hunger ent- kräftet, völlig ungenügend bekleidet dem peitschen- den Regen, den kalten Winden und später dem Schnee ausgeliefert, erbauten die Sachsenhausener Häftlinge in wenigen Monaten ein kleines Männerlager und das zukünftige größte faschistische Frauen-Konzentra- tionslager Deutschlands, Ravensbrück, kurz das„FKL“ genannt. Bis zum Frühjahr 1939 entstanden vierzehn Wohnbaracken, ein aus zwei Baracken bestehendes Krankenrevier und am Lagereingang ein langgestreck- ter Holzbau mit einem Duschraum und einer Küchen-
anlage. Der„Chef der SS und Deutschen Polizei“— Hein- rich Himmler— hatte als Verantwortlicher für die
Konzentrationslager in Deutschland den Befehl gege- ben, dieses Frauen-KZ an einem Ort zu errichten, der verkehrsmäßig leicht erreichbar war. Gleichzeitig sollte er so weit von menschlichen Behausungen ent- fernt liegen, daß eine möglichst vollkommene Isolie- rung der Häftlinge garantiert werden konnte. Diesen Anforderungen entsprach das Gelände bei Ravensbrück. Fürstenberg hatte einen Bahnhof mit direkter Verbindung nach Berlin. Es war vom Lager durch den Schwedt-See getrennt. Die Bauern an der Straße zwischen Fürstenberg und Ravensbrück und alle übrigen Bewohner der engeren und weiteren Umgebung wurden durch umfangreiche Absperrmaß-


