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Meines Vaters Haus : ein Dokument / Artur Joseph
Entstehung
Seite
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Die deutsche Presse erschien gleichgeschaltet und sprach- geregelt. Nicht, daß man die Zeitungen direkt zensiert hätte, aber man versorgte sie täglich mit Richtlinien über das, was groß gegeben und aufgemacht, und was gänzlich ignoriert wer- den mußte. Die deutschsprachige Schweizer Presse konnte ihre Auflagen in unvorstellbarer Weise erhöhen. Eines Tags saß ein Bekannter in einer Bauernwirtschaft, er hatte sich mit einem Einheimischen über Wetter und Ernte und andre Bei- läufigkeiten unterhalten. Plötzlich deutete jener auf die «Frankfurter Zeitung, die dieser bei sich hatte und flüsterte mit einem scheuen Blick über die Schulter:«Da steht ja auch nicht mehr das Rechte drin. Wenn Sie wissen wollen, was vorgeht, müssen Sie die«Zürichen lesen...» Sprachs und verschwand. Freilich unterlagen viele, seis aus Angst, seis aus Unsicherheit, der Massenpropaganda, in deren Ausübung die Nazis mit Goebbels an der Spitze seines Propagandamini- steriums Meister waren. Andere glaubten, nur zum Schein mit- machen zu können, überzeugt, es werde nicht lange dauern.

Solche Meinungen herrschten auch im Ausland. In den Boykott-Tagen war ich draußen auf Reisen, um mich mit Ge- schäftsfreunden zu beraten. Auch dort, zumal man da die Verhältnisse nur vom Hörensagen kannte und dem Druck nicht direkt ausgesetzt war, rechnete man mit raschem Sturz der neuen Herren.«Sie werden schon sehen», sagte mir ein kenntnis- und einflußreicher Freund in der Schweiz,«bald wird sich eine Allianz gegen dieses Deutschland bilden- und dann werden weitere Ausschreitungen notwendig unterblei- ben. Sie müssen auf Ihrem Posten ausharren!» Und ähnliches hörte ich in Holland, wo man sich über die deutsche Gruß- formel unter den Briefen amüsierte, oder aus England, wo der Mann auf der Straße mit Verachtung von Deutschland sprach.

Ein typisches Bild schien mir jener neue Vorstandsmann auf einer Sitzung eines Einzelhandelsverbands zu sein, der - bis dahin unbedeutend und nun in voller Uniform- er- klärte, es grenze an Landesverrat, wenn parteiangehörige Kaufleute zur strikten Bezahlung ihrer Rechnungen gezwun- gen würden! Offenbar war es sein Wunschtraum, den er da