die Kampfhandlungen eingestellt, damit Japan seine Gewinne kon- solidieren könne. Man nahm an, daß Japan sich jetzt zur Kate- gorie der„zufriedengestellten Mächte” zähle.
Inzwischen verwandelten die Führer der Kwantung-Armee, die die Mandschurei beherrschten, diese Provinz in einen Exerzier- platz für ihre Truppen und in ein Experimentierfeld für ihre Methoden.- Sie errichteten totalitäre Kontrolle über das wirt- schaftliche und politische Leben der Mandschurei. Sie lösten alle politischen Gruppen auf und schufen an deren Stelle eine einzige politische Partei, zu der alle Regierungsbeamten gehören mußten. Sie bauten ein allumfassendes Spionagesystem auf, durch welches das tägliche Leben und die Tätigkeit aller Einwohner genauestens überwacht wurden. Um das Jahr 1936 hatte die von den Kwan- tung-Offizieren propagierte Methode der„direkten Aktion” sich in der ganzen japanischen Armee durchgesetzt. Im gleichen Jahre kam es zu einer Welle politischer Ermordungen in Tokio, und das Resultat war, daß die Armee im großen ganzen die japanische Regierung dominierte. Das neue Kabinett bestimmte 46 v. H. des gesamten Staatsbudgets für militärische Ausgaben. Auf Ver- anlassung der Armee wurde der Anti-Komintern-Vertrag mit Deutschland geschlosssen, und ein Jahr später schlug Japan wieder gegen China los.
Der japanische Plan stellte sich jetzt klar heraus. Er bestand darin, daß eine chinesische Küstenprovinz nach der anderen er- obert und übernommen werden sollte, aber wohlgemerkt Stück für Stück und ohne eine formelle Kriegserklärung— die japanischen Militärs hofften, daß die Außenwelt auf diese Weise sich nicht zum Eingreifen aufrütteln würde.
Die Küstenstriche von Peiping bis Hangchow wurden unter- worfen. Dann stießen die Japaner weiter ins Innere Chinas vor, organisierten eine Marionettenregierung in Nanking und wand- ten dort die Methoden weiter an, die sie in der Mandschurei zur Vollkommenheit ausgearbeitet hatten. Aber das chinesische Volk — fast ohne Waffen und Kriegsmaterial und vom Zugang zur See abgeschnitten— gab den Kampf nicht auf. Die Chinesen zogen sich in die natürlichen Befestigungen Zentralchinas zurück. Allmählich begann auch ein wenig Kriegsmaterial aus Amerika und Großbritannien über die Birma-Straße durchzukommen. Dennoch war damals die Meinung weit verbreitet, daß Chinas Sache, angesichts der Macht des japanischen Angreifers, hoff- nungslos sei.
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