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Lebenshaltung und Lebensgestaltung zu erwarten, die das Alltägliche übersteigt. Den besonderen Vorrechten wird ein gerütteltes Maß von Vorpflichten entsprechen. Eine solche Vorpflicht für den Priester ist z. B. der Zölibat. Be- deutet er Verachtung des Eheinstituts? Nein— er ver- körpert nur eine höhere Aufgabe neben diesem, das ja doch von Christus zu einem eigenen Sakrament erhoben wurde. An sich besteht für den Christen alles Recht, Wert und Bedeutung der Ehe, die Schönheit der Liebe in ihrem Werden von der Braut- zur Mutterliebe, von der sühnen- den zur opfernden Liebe, zu besingen. Er darf ruhig ge- wissen Dichtern bzw. Dichtungen zustimmen. Z. B. wenn Schiller die Schönheit der jungen Liebe im Lied von der Glocke preist:„Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe, er stürmt ins Leben wild hinaus, durchmißt die Welt am Wanderstabe, fremd kehrt er heim ins Vater- haus. Und herrlich in der Jugend Prangen, wie ein Gebild aus Himmelshöhn, mit züchtigen, verschämten Wangen, sieht er die Jungfrau vor sich stehn. Da faßt ein namen- loses Sehnen des Jünglings Herz, er irrt allein, aus seinen Augen brechen Tränen, er flieht der Brüder wilden Reihn. Errötend folgt er ihren Spuren und ist von ihrem Gruß beglückt, das Schönste sucht er auf den Fluren, womit er seine Liebe schmückt.© süße Sehnsucht, zartes Hoffen, der ersten Liebe goldne Zeit, das Auge sieht den Himmel offen, es schwelgt das Herz in Seligkeit. O daß sie ewig grünen bliebe, die schöne Zeit der jungen Liebe!” Der Christ darf ruhig Adalbert Stifter und Dostojewski zu- stimmen, wenn sie die Schönheit der Gattenliebe künden. Mit Ergriffenheit spricht Stifter vom herrlichen Strom der Liebe, der in den Jahrtausenden durch unzählige Bräute- und Mutterherzen zu uns herabgekommen. Dosto- jewski fühlt sich in seinem Verantwortungsgefühl be- lebt, in seinem Denken geläutert durch den Gedanken an seine Frau:„Gott hat dich mir anvertraut, damit keiner der in deiner Seele schlummernden Keime und nichts von den Reichtümern deiner Seele und deines Herzens ver- loren gehe, sondern im Gegenteil, all dies sich reich und üppig entfalte und aufblühe; er hat dich mir gegeben,
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