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Gefangenschaftsbriefe / Dr. Max Josef Metzger (Bruder Paulus) ; eingeleitet und herausgegeben von Dr. Matthias Laros
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den voll Scham zu dir kommen, Deine Striemen und Wunden küssen und vor Dir auf die Knie fallen. Aber das war der Versucher, der sein Werk in der Wurzel bedroht. Und er betet:‚Herr, nur das nicht, weg vom Kreuze! Nur Deinen Wil- len möchte ich erfüllen, nichts für mich. Hier will ich knien und ausharren, und wenn mein Leben hingehen soll am Saum der Wüste, und wenn ich als Besiegter sterben soll, so geschehe Dein Wille!

So geht es in ihm auf und nieder. Seine alten Leh- rer treten ihm wieder vor die Seele, die scharfen Logiker und Metaphysiker Aristoteles und Thomas, die er in seiner Studentenzeit so eifrig studiert hatte, und vor allem die mystischen Schriften des Pseudoareopagiten Dionysius, der hl. Gregor und die Collationes des Cassian. Da wird ihm, in wech- selndem Gebet und in Betrachtung, ein neues, tieferes Verhältnis der Seele zu Gott klar. Der Ewige wird ihm in seiner stinkenden Zelle offen- bar. Es beginnt eineheilige Vermählung seiner Seele mit ihrem himmlischen Bräutigam, und in seiner Dichterseele steigt einWechselgesang zwischen beiden auf, wie imHohenlied der hl. Schrift, weitab von aller Erotik, aber, wie die tief- sten Geister seit Platon das Verhältnis der Ge- schlechter als kosmisches Symbol der geistigen Sehnsucht und Vereinigung der Seele mit ihrem Gott gesehen und erfahren haben, als letzte Er- füllung der Liebe des menschlichen Herzens zu seinem Schöpfer und Erlöser, der uns mit unfaß- barer Liebe zuerst geliebt und an sich gezogen hat.

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