NOVEMBERTAG AN DER ELBE
Wind aus dem Norden. Weidenbäume stehen mit leeren Ruten in dem gelben Horizont.
Das weite, faltenreiche Tuch der abschiedswehen, erschöpften Wiesen liegt braun übersonnt vom stillen, kalten Spättaglichte.
Ein Krähenschwarm zieht schwer und girrend dem Flusse zu, vorm Angesichte
des Himmels plötzlich sich verwirrend. Hintragen durch das müde Land Hochspannungsmasten ihre Kupferlast, fortwandernd reiht sich Mast an Mast
bis zu der Wälder ferner, dunkler Wand.
Wind aus dem Norden. Schmale Kräuselflecken wehn spukhaft über bleischwer blanke Flut.
Die Sonne wirft aus grauen Wolkendecken kühn eine Brücke voller Weltenglut;
die spannt sich sprühend zwischen flachen
und kahlen Ufern, da die Kühe weiden
und Hirtenjungen einsam lachen
und stolz zu Roß durch kleine Träume reiten...
Wind kommt von Norden, trägt des Abends Schleier ganz sacht heran. Die Wiesen werden grauer.
Und still zerfließt der Sonnenbrücke Purpurfeuer. Der Tag geht fort hinter der Wolkenmauer.
Die Krähen und die Kühe wandern müde
den Wäldern und den warmen Ställen zu.
Ein letzter Schrei— In deiner tiefen, blauen Güte, o Nacht, gib auch dem Mann im Kerker Ruh...
)18(


