Druckschrift 
Die Gitterharfe : Gedichte 1933 - 1945 / Hans Lorbeer
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen

HERBSELEND

Nun schlägt die dumpfe Glocke an. Rauch steigt aus leeren Feldern.

Ein früher Abend weht heran

aus Städten und aus Wäldern.

Die Luft ist feucht; durchs Wiesental ziehn graue Nebelschwaden.

Die Schollen liegen kahl und fahl,

doch offen neuen Saaten.

Zerfahren ist der Weg durchs Feld, feucht sind der Räder Spuren, Sprühregen weht und schwebt und fällt in tieferschöpfte Fluren.

Wie mahnend hallt da Schritt und Schritt, erdgründig Glockenläuten..

Es zieht der Herbst, wir ziehen mit; grabwärts ziehn alle Freuden.

Und frißt er uns, der Gittertod, aus Sterben und Vergehen loht ewig uns ein Morgenrot und Wiederauferstehen!