Früher existierten sogar von Stadt 2zu Stadt unterschiedliche Maßeinheiten— Von Elle, Fuß und Lot
„Maß und Gewicht, kommen vor Gericht“
Erst seit 1872 gibt es in Deutschland Liter, Kilogramm und Meter-Früher 15 verschiedene Flächenmaße
Feuchtwangen. Maßen und Gewich- ten kam zu allen Zeiten eine bedeutende Rolle zu.„Maß und Gewicht, kommen vor Gericht“, sagt dazu ein Sprichwort. Es bringt zum Aus- druck, daß beim Handel Ordnung und Genau- igkeit herrschen müssen und Verstöße- so- fern sie in dieser Welt nicht mehr zu ahnden sind- dann im Jenseits der Gerechtigkeit zu- geführt werden.
Ursprünglich hat man in jedem Land anders gemessen, gewogen und auch gerechnet. Die heute üblichen Einheiten wie Kilogramm, Me- ter, Liter und dergleichen kennt man seit knapp 120 Jahren. Am 1. Januar 1872 wurden in Deutschland die noch heuté géebräuchlichen
Einheiten in Kraft gesetzt, die damit an die Stel- le etlicher Beméssungsgrundlagen, die jeweils von Land zu Land, ja sogar von Stadt zu Stadt verschieden waren, traten.
Da sind einmal die Längenmaße zu nennen. UÜblich war hier früher ein„Schuh“ oder„Fuß“, der meist in zehn oder zwölf Zoll eingeteilt war. Immerhin gab es in Deutschland 31 verschiede- ne„Füße“ mit Längen zwischen 0,282 und 0,314 Metern. Selbst innerhalb der bayerischen Lan-
desgrenzen gingen dabei die genauen Maße aus- einander. So hatte in München ein Euß“ 0,2888 Meter, in Nürnberg 0, 3043 Meter und in Ans- bach 0,2998 Meter.
Das Durcheinander in den Längenmaßen wurde noch krasser, weil es auch noch 19 ver- schiedene Ellen gab, vor allem zum Abmessen von Stoffen, Spitzen, Bändern und dergleichen. So hatte in Bayern die Elle 0,833, in Preußen 0,667, in Württemberg 0, 614 vñd in Sachsen 0,566 Meter.
Bei den Flächen diente der Morgen oder das Tagwerk, wovon es in Deutschland allerdings auch 15 verschiedene Größen gab, als Bezeich- nung für das Maß. Die Unterteilung erfolgte für gewöhnlich nach Quadratrute und Quadratfuß. In Baxern hatte ein Tagwerk- das sind.400 Qua- dratfuß beziehungsweise 100 Dezimale- 0, 3407 Hektar; eine Fläche, die auch bei der Einfüh- rung der Kataster zugrunde gelegt wurde.
Groß war der Unterschied in den Gewichten. Dies wohl deshalb, weil oft nicht die Waage, son- dern Hohlmaße, so vor allem bei Getreide, den Ausschlag gaben. Die fast überall gebräuchliche Einheit war der Zentner, der mit 100 Pfund oder
Aus dem südlichen Landkreis
Andacht per Telefon
Verteilerkasten angefahren 4 Pkw-Fahrerin kam
128 Quentchen in Bayern berechnet wurde. Ein
Lõt᷑ hattẽ I7,5 Gramm. Das Lot war auch noch
Münzgewicht. Um 1850 konnten viele weder le- sen, schreiben oder rechnen. So dürfte zu jener Zeit beim Kauf oder Tausch so mancher„übers Ohr gehauen“ worden sein. Das gebräuchlich- ste Hohlmaß war der Scheffel, auch Schaff ge- nannt. Als kleinere Einheiten dienten Metze, Viertel, Seidel, Halbe, Maßkanne, Maß, Maßl, Dreißiger oder Becher. Ein bayerischer Scheffel hatte 222,36 Liter, eine Metze 37,06 Liter, ein Dreißiger 1.158 Liter. Während der Bayérische Scheffel sechs Metzen beinhaltete, hatte der preußische sechzehn Metzen.
Dann existierte noch der Klafter; ursprüng- lich ein Längenmaß, das der Spannweite zwi-
Schen den seitlich ausgestreckten Armen einées
Mannes entsprach. In Ostérreich war der Klaf- ter ein Flächemaß und entsprach 38 Quadrat- fuß. Der Klafter hat noch heute Bedeutung als Brennholzmaß mit drei Ster beziehungsweise drei Kubikmeter Rauminhalt. Ein„bayerischer Scheffel entsprach früher 167 Kilogramm Wei- zen, 160 Kilogramm Rôöggen, 151 Kilogramm
Gerste 107 Kilogramm Hafer und 160 Kilo-
gramm Kartoffeln.
Die Kontrolle der heute gültigen Maße und Gewichte wird durch das Gesetz über das Meß- und Eichwesen geregelt. Die Zuständigkeit ist über die Bundesanstalt in Braunschweig bis in die Eichämter in den Ländern geregelt. Die ge- eichten Meßgeräte erhalten eine entsprechende
ennzeichnung.


