Druckschrift 
Stadt und Festung Gießen in der Franzosenzeit 1796/1797 / von Wolfgang Meyer
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

Abgaben, Kriegsschäden und der Tätigkeit der Fürstlichen Landes-Kriegs-Kommission in Gießen befaßt. Selbstverständ- lich war ein genaues Einhalten sowohl der zeitlichen wie auch örtlichen Grenzen schon des allgemeinen Verständnisses und der wichtigen Zusammenhänge halber nicht möglich.

Als Quellenmaterial dienten mir in erster Linie, abgesehen von den vorhandenen Werken über diese Zeit, die Bestände des Großherzoglich hessischen Haus- und Staats-Archivs zu Darm- stadt, die eine reiche Ausbeute gaben, da für nahezu jeden Tag die Berichte der Fürstl. Landes-Kriegs-Kommission zu Gießen vorliegen. Nicht nur allein, was die Kriegsereignisse anlangt, geben diese Aktenstücke ein genaues, umfassendes Bild, auch für die Ermessung der Kriegsschäden des ganzen damaligen Oberfürstentums Hessen, die Kontributionen und Abgaben sind sie von äußerster Wichtigkeit. Es dürfte eine Arbeit für sich sein, nur die Tätigkeit der Landes-Kriegs-Kommission zu prüfen und das ein klares Bild gebende Frage- und Antwortspiel zwischen Kommission und Regierung zu beleuchten. Das vor- handene Material kann als nahezu vollständig angesehen wer- den. Neben dem Haus- und Staatsarchiv lieferte das Ober- hessische Museum zu Gießen wertvolle Beiträge. Letzterem ver- danke ich auch die Veröffentlichung des beigefügten, bis jetzt wohl wenig bekannten Plans der Stadt und Festung Oießen. Während das hessische Staatsarchiv und das Oberhess. Museum Wichtiges lieferten, war der Ertrag der Nachforschung im Stadt- archiv Gießen sowie in den Kirchenbüchern gering. In histori- scher Hinsicht konnte das Stadtarchiv zwar Aufschluß geben, jedoch setzt sich das vorhandene Quellenmaterial nur aus den Abschriften der in Darmstadt im Original enthaltenen Berichte der Fürstl. Landes-Kriegs-Kommission zu Gießen und den ent- sprechenden Erwiderungen zusammen. Für das wirtschaftliche Bild fehlen für die Jahre 1706 und 17907 jegliche aufschluß- gebende Belege, mit Ausnahme der Abrechnungen des Bau- amtes, die als alleinige wenig zu sagen haben.

Ahnliche Verhältnisse weisen die Kirchenbücher auf. Von annähernd 70 Pfarrämtern aus Gießens Umgebung hatten nicht drei Verwendbares. Entweder waren Einträge und sonstige Zeugnisse überhaupt nicht vorhanden, oder die Aufzeichnungen hatten nur rein persönlich lokalgeschichtliches Interesse, mit geringem Wert für das vorliegende Thema. Allem Anscheine nach haben die Kriegsjahre 17906/1707 derart in die inneren Ver- waltungsverhältnisse eingegriffen, daß alles drunter und drüber ging. Auch darf nicht vergessen werden, daß gerade die Land- gemeinden und kleineren Städte besonders schwer von der fran- zösischen Invasion und Okkupation getroffen wurden, viele