Gebete in beſonderen Lebenslagen. 407
deinen Menſchenkindern zum Frieden dient, das große Gut des Reichen oder die Arbeit, Sorge und Bangigkeit des Armen. Du haſt ja Ge⸗ danken des Friedens mit mir mitten in meiner Armut und Not; nur mein ſchwaches Herz will nicht tragen, was du mir auferlegteſt. Darum bitte ich dich, ſtärke und tröſte mich und laß an mir wahr werden das Wort deiner Verheißung: rufe mich an in der Not, ſo will ich dich erretten, ſo ſollſt du mich preiſen. Erhalte und mehre in mir den tröſtlichen Glauben an deine väterliche Güte und Erbarmung und an die Gewißheit, daß denen, die dich lieben, alle Dinge müſſen zum beſten dienen. Es iſt ein köſtlich Ding, daß das Herz feſt werde; ſo mache denn mein Herz feſt, m Aufſehen auf dich treulich auszuharren in meinem Elend, aber auch treu und fleißig zu wirken und zu ar⸗ beiten, daß ich mein beſcheiden Teil Speiſe dahinnehme. Bewahre mich durch deine Kraft vor aller Trägheit, vor aller Untreue, vor allem Verzagen und allem Murren. Lehre mich in Geduld leiden, was ich nach deinem Ratſchluß leiden ſoll, immerdar aber auch auf dich hoffen und dir vertrauen. Und da du die Herzen der Menſchen lenkeſt, wie Waſſerbäche, ſo erwecke mir liebreiche Freunde, die ſich meiner Not annehmen und als deine Boten an mir Barmherzigkeit thun, wie du ſie an ihnen gethan haſt.— Gieb mir ein dankbares Herz, daß jede Gabe der Menſchen mich bereit mache zum Lobe gegen ſie und gegen dich, den Geber aller guten und vollkommenen Gaben. — Vor allem aber ſtehe mir bei durch deinen heiligen Geiſt, daß ich mich nicht gegen dich verſündige in meiner Armut, und daß meine Not mich nicht errege, deine und der Menſchen Geſetze zu übertreten. Laß mir vielmehr mein Elend zur Beſſerung dienen und lehre mich erkennen, daß, gleich wie Gold durchs Feuer, alſo werden die, ſo dir gefallen, durchs Feuer der Trübſal bewährt. Lehre mich, daß Trüb⸗ fal bringt Geduld, Geduld aber bringt Erfahrung, Erfahrung bringt Hoffnung, und Hoffnung läßt nicht zu ſchanden werden.— Ja, Herr, laß mich nicht zu ſchanden werden; ſende den Armen wieder beſſere Zeit und gieb meiner Seele die rechte Kraft, auch das Argſte zu über⸗ winden und das Feld zu behalten. In deine treue Vaterhand befehle ich mein Leben; du biſt der Armen Schutz und Zuverſicht. Amen.
Lied Nr. 328: Von Gott will ich nicht laſſen.
34. Gebete in allgemeiner Rot.
Gott iſt unſere Zuverſicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben; darum fürchten wir uns nicht, wenn gleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer ſänken. Pſ. 46, 2. 3.
O du Richter alles Fleiſches, der du nicht nach dem richteſt, was vor Augen iſt, ſondern das Herz anſiehſt, erwecke unſere Herzen, daß wir uns freiwillig richten, damit wir nicht von dir gerichtet werden. Wir wiſſen und fühlen es, daß wir die große Not, welche du uns ge⸗ ſandt haſt, wohl verdient haben durch unſere mannigfaltigen und großen Sünden. Aber dennoch bringen wir unſere Klagen vor dich, weil die dringende Gefahr uns antreibt, vor dir niederzufallen mit Bitten und Flehen. Ach, räche nicht die Untreue und Falſchheit des menſchlichen Herzens, ſondern erwecke uns aus dem Schlafe der Sicher⸗


