Druckschrift 
Der himmlische Palmgarten des Wilhelm Nacatenus S.J. : nach dem lat. und deutschen Original bearbeitet, zum Gebrauche bequemer geordnet und mit vielen Pflanzen aus dem Paradiese der Kirche bereichert / von Theodor Wollersheim, Pastor zu Jüchen. Mit Erzbischöfl. Approbation
Entstehung
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Unterricht für die Morgenzeit und den ganzen Tag.

Der Mensch hat einen steten Krieg zu führen gegen die Laster und bösen Nei⸗ gungen: mit unzählbaren sichtbaren und unsichtbaren Feinden hat er es aufzu⸗ nehmen. Doch muthig muß Jeder ausrufen: Lieber will ich tausendmal ster⸗ ben, als Dich, o mein Gott, mein höchstes, liebenswürdigstes Gut, heute oder sonst jemals beleidigen, besonders durch diese Sünde N.; Dir will ich heute und allezeit dienen, besonders durch die Uebung dieser Tugend N.; stehe mir bei, o Herr, durch Den ich Alles, ohne Den ich nichts vermag. Die hh. Augu⸗ stinus, Basilius, Gregor und Andere geben uns den heilsamen Rath: Jeder solle seine Pflichten so zu erfüllen suchen, als wenn der gegenwärtige Tag der letzte des Lebens wäre. Dieser Gedanke scheint auch den frommen Job beseelt zu haben, da er spricht(14, 14):Alle Tage, die ich jetzt streite, will ich harren, bis meine Umwandlung kommt. Dadurch gewann er so viel, daß er mit Vertrauen sprach(V. 15):Du wirst mir rufen, und ich werde Dir antwor⸗ ten. Ungewiß ist der morgige Tag. Und woher wissen wir, ob wir ihn erleben? Wie viele tausend Menschen sind ewig zu Grunde gegangen, weil sie den gegenwärtigen Tag gut anzuwenden versäumten! Beherzige wohl, was der h. Gregor(Hom. 12 zum Evang.) sagt:Der dem Büßer Verzeihung verhei⸗ ßen, hat dem Sünder den morgigen Tag nicht zugesagt. Unsern letzten Tag müssen wir allezeit fürchten, weil wir ihn niemals voraussehen können. Siehe, den heutigen Tag haben wir als letzte Frist zu unserer Bekehrung erhalten. Lasset uns also wirken, so lange es Tag ist! es kommt die Nacht, wo Nie⸗

mand mehr wirken kann(Joh. 9, J). Betrachte die Worte Sirach's(5, 8): Säume nicht, dich zum Herrn zu bekehren, und verschiebe es nicht von Tag zu Tag und das Wort des Herrn:Der Herr jenes Knechtes wird kom⸗

men am Tage, da er es nicht erwartet, und zur Stunde, da er es nicht weiß (Matth. 24, 50).

§. 5. Bitte Gott um Seinen een

Die ewige Wahrheit spricht:Ohne Mich könnt ihr nichts thun(Joh. 15, 5), und der Apostel lehrt:Wir sind nicht vermögend, durch uns selbst etwas zu denken(zu reden oder zu thun) als aus eigener Kraft, sondern unser Vermögen ist aus Gott(2. Cor. 3, 5). Deshalb müssen wir zu Allem täg⸗ lich Gottes Beistand erflehen. Der h. Bernardus sagt(Rede 83):Welch ein Vertrauen flößen uns die Worte ein:Ich kann Alles in! Dem, der mich stärkt Phil. 4, 13). Nichts kann uns die Allmacht des Sohnes Gottes klarer machen, als daß Er Jene allvermögend macht, welche auf Ihn hoffen und vertrauen. Wer mit Kraft von Oben gerüstet ist, den wird keine Gewalt, keine List, kein Reiz der einne überwinden; er steht und wanket nicht, er herrscht und liegt nicht unter. Darum soll Jeder, der steht, wenn er nicht fallen will, nicht auf sich vertrauen, sondern auf das Wort, jenes Wort nämlich, das im An⸗ fange war, und das Gott selbst ist. Ohne dieses Wort der ewigen Kraft können wir uns nicht zur Tugend erheben, noch in der Tugend beharren. Von uns aber wird gefordert, daß wir mitwirken, denn Der dich ohne dich er schaffen hat, will dich nicht ohne dich selig machen, d. h. ohne 5 8 Mitwirkung, wie der h. Augustinus sagt.Nicht ich, spricht der Apostel(1. Cor. 15, 10), sondern die Gnade Gottes mit mir.

Morgengebete.

Gleich beim Erwachen. Im Namen des Vaters und des Soh⸗ nes und des h. Geistes. Amen.

Gott, mein Gott! zu Dir erwache ich beim Morgenlichte: nach Dir durstet meine Seele: gar oft verlangt nach Dir auch mein Leib.