321.
Lieder über Tod und Grab.
321.
J. Ich bin ein Gast auf Erden Und hab' hier keinen Stand: Der Himmel soll mir werden, Da ist mein Vaterland.
Hier muß ich Unruh' haben, Hier reis' ich ab und zu:
Dort wird mein Gott mich laben Mit seiner ew'gen Ruh'.
„Was ist mein ganzes Wesen Von meiner Jugend an
Als Müh' und Noth gewesen? So lang ich denken kann,
Hab' ich so manchen Morgen, So manche liebe Nacht
Mit Kummer und mit Sorgen Des Herzens zugebracht.
Ich habe mich ergeben
In alles Glück und Leid. Was will ich besser leben
In dieser Sterblichkeit?
Es muß ja durchgedrungen, Es muß gelitten sein:
Wer nicht hat wohl gerungen, Geht nicht zur Freude ein.
„So will ich zwar nun treiben Mein Leben durch die Welt, Doch denk' ich nicht zu bleiben In diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, Die zu der Heimat führt,
Da mich in vollem Maße Mein Vater trösten wird.
„Die Heimat ist dort oben, Da aller Engel Schaar
Den großen Herrscher loben, Der Alles ganz und gar
S
—
S
Mel. 112: O Haupt voll Blut und Wunden.
In seinen Händen träget Und für und für erhält, Auch Alles hebt und leget, Nachdem's ihm wohl gefällt.
6. Zu dem steht mein Verlangen,
Da wollt' ich gerne hin.
Die Welt bin ich durchgangen
Daß ich's fast müde bin.
Je länger ich hier walle,
Je wen'ger find' ich Freud',
Die meinem Geist gefalle:
Das Meist' ist Herzeleid.
Die Herberg' ist zu böse,
Der Trübsal ist zu viel:
Ach, komm, mein Gott, und löse
Mein Herz, wenn dein Herz will!
Komm, mach' ein selig Ende
Mit meiner Wanderschaft,
Und was mich kränkt, das wende
Durch deines Armes Kraft!
8. Herr, meines Herzens Freude, Du, meines Lebens Licht,
Du ziehst mich, wenn ich scheide, Hin vor dein Angesicht,
Ins Haus der ew'gen Wonne, Da ich stets freudenvoll
Gleich als die helle Sonne Mit Andern leuchten soll.
9. Da will ich immer wohnen, Und nicht nur als ein Gast, Bei denen, die mit Kronen Du ausgeschmücket hast.
Da will ich freudig fingen Von deinem großen Thun Und frei von schnöden Dingen In meinem Erbtheil ruhn.
Paul Gerhardt.


