Die Augsburgische Konfesston.
Kaisern und Königen zu weltlicher Verwaltung ihrer Güter, und gehet das Amt des Evangeliums gar nichts an.
Derhalben ist das bischöfliche Amt nach göttlichen Rechten: das Evangelium predigen, Sünde vergeben, Lehre beurteilen, und die Lehre, so dem Evangelio entgegen, verwerfen, und die Gottlosen, deren gottlos Wesen offenbar ist, aus christlicher Ge⸗ meine ausschließen, ohne menschliche Gewalt, sondern allein durch Gottes Wort. Und diesfalls sind die Pfarrleute und Kirchen schuldig den Bischöfen gehorsam zu sein, laut dieses Spruchs Christi, Lucä am 10, 16: Wer euch höret, der höret mich. Wo sie aber etwas dem Evangelio entgegen lehren, setzen oder auf⸗ richten, haben wir Gottes Befehl in solchem Fall, daß wir nicht sollen gehorsam sein, Matth. am 7, 15: Sehet euch für für den falschen Propheten. Und St. Paulus zu den Galat. am 1, 8: So auch wir oder ein Engel vom Himmel euch ein ander Evan⸗ gelium predigen würde, denn das wir euch gepredigt haben, der sei verflucht. Und in der zweiten Epistel zu den Korinth. am 13, 8. 10: Wir haben keine Macht wider die Wahrheit, sondern für die Wahrheit. Item: Nach der Macht, welche mir der Herr zu bessern und nicht zu verderben gegeben hat. Also gebeut auch das geistliche Recht 2. g. 7. in cap. Sacerdotes und in cap. Oves. Und St. Augustin schreibt in der Epistel wider Petilianum: Man soll auch den Bischöfen, so ordentlich gewählet, nicht folgen, wo sie irren oder etwas wider die heilige göttliche Schrift lehren oder ordnen.
Daß aber die Bischöfe sonst Gewalt und Gerichtszwang haben in etlichen Sachen, als nämlich Ehesachen oder Zehnten, dieselben haben sie aus Kraft menschlicher Rechte. Wo aber die Ordinarien nachlässig in solchem Amt, so sind die Fürsten schul⸗ dig, sie thun's auch gern oder ungern, hierin ihren Unterthanen um des Friedens willen Recht zu sprechen, zu Verhütung von Unfrieden und großer Unruhe in Ländern.
Weiter disputiert man, ob auch Bischöfe Macht haben Zere⸗ monien in der Kirchen aufzurichten, desgleichen Satzungen von Speise, Feiertagen, von unterschiedlichen Orden der Kirchendiener. Dann die den Bischöfen diese Gewalt geben, ziehen diesen Spruch Christi an, Joh. 16, 12: Ich habe euch noch viel zu sagen, ihr aber könnt's jetzt nicht tragen; wenn aber der Geist der Wahr⸗ heit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit führen. Dazu führen sie auch das Exempel Act. am 15, 20. 29; da sie Blut und Ersticktes verboten haben. So zeucht man auch das an, daß der Sabbath in Sonntag ist verwandelt worden wider die zehn Gebote, dafür sie es achten, und wird kein Exempel so hoch getrieben und angezogen, als die Verwandlung des Cab aths, und wollen damit erhalten, 15 die Gewalt der Kirche groß sei, dieweil sie von den zehn Geboten dispensiert und etwas daran verändert hat.


