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Kirchen-Gesänge für das katholische Volk nebst den Gebeten der heiligen Messe / herausgegeben vom Kunstvereine des religiösen Musik-Journals unter dem hohen und wohlwollenden Schutze des Hochwürd. Herrn A. Räß, Bischofs zu Straßburg
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Vorwort.

Aus der Geschichte aller Völker sehen wir, daß, sobald ein Volk eine gewisse Stufe der Kultur erstiegen, auch Musik und Gesang bei ihren Gottesverehrungen angewandt wurden. Vorzüglich war dies bei dem christlichen Volke der Fall. Ihre so hohen und schönen Glaubens- und Sitten­lehren, welche Geist und Gemüth zugleich erfaßten, waren schon lauter Musik und setzten das Volk gleich auf eine ers höhte Stufe der Kultur. Sie vermochten ihre Dankbarkeit gegen ihren Gott, für so weltbeglückende Lehren, nicht ans ders als durch lauten Gesang zu äußern, nach dem Zurufe des königlichen Sängers:#Singet dem Herrn ein neues Lied! a

Als die Vorsicht vor Verfolgung ihnen Stille gebot, sans gen sie dennoch; als Marter und Bein und der sichere Tod den Entdeckten folgten, dennoch sangen fie; auf dem Blut­gerüste selbst, während der Marter wurde gesungen. Das gesprochene Wort genügte der hohen Begeisterung nicht mehr; lautschallender, freudiger Lobgesang stählte ihren Muth, übertäubte die Schmerzen und trug nicht wenig zur Be­kehrung der Umstehenden bei. Woher dieser mächtige Drang zum Gefange? Haben einzelne, hochstehende Menschen ihn erfunden und mitgetheilt? Nein, Gott selbst war es, der diese herrliche Gabe dem Menschen gegeben, damit er sich veredle und sein höchstes Gebot, die Liebe, erfülle. Diesen göttlichen, unwiderstehlichen Trieb zum Gesange war die Kirche stets bemüht zu veredeln und ihn nach seiner edeln Bestimmung hinzuführen. Deßwegen waren alle weisen Religionslehrer eifrig bemüht, den Gesang auszubilden, zu regeln und ihn dem Volke zugänglich zu machen durch Ges