Selbstprüfung vor der Beicht in der Kirche. 11
Nahm ich mich auch sorgfältig nicht nur vor groben Vergebungen, sondern auch vor kleineren Fehlern und Verirrungen in Acht? war ich ges wissenhaft in der Erfüllung auch geringscheinender Pflichten? fuchte ich, auch in keinem Worte zu feblen, und in allen Stücken ein treuer Hausbalter der mancherley Gnaden Gottes zu seyn? Und that ich auch meine Pflicht mit Liebe, mit uneigennüßigem Eifer, mit Freudigkeit der Seele und des Gemüths, und so vollkommen, als es mir nur immer möglich war? Oder machte ich mir kein Gewissen daraus, so manche meiner Pflichten zu verleßen, weil sie mir geringfügig schienen, oder sie nur mit halber Seele, vielleicht mit Unmuth und Widerwillen, oder bloß aus eigennůßigen Absichten, um des äußerlichen Vortheils willen, zu erfüllen?
Die Geschäfte, die du, Allgütiger, mir in meinem Stande und Berufe angewiesen haft, sind fie auch von mir mit Fleiß, mit Eifer und Treue betrieben worden? war es mir immer Freude, was du mir an Talenten, Kenntniffen, Einsichten, Geschicklichkeiten, irdischen Gütern, Macht, Ans sehen und Einfluß geschenkt haft, zum Wohle der Menschheit redlich anzuwenden? Machte ich von keinem dieser Güter einen stråflichen Mißbrauch? suchte ich immerfort, mit Hülfe derselben, das


