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Gesangbuch für die protestantische Kirche des Königreichs Bayern
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304 Selbstprüfung vor der Beicht.

Gib auch, o barmherziger Gott, allen andern Menschen eben diese Gesinnung in's Herz, daß sie nicht leichtsinnigerweise in sündlicher Sicher­heit einschlafen, und ihre Uebertretungen so wie deine Wohlthaten vergessen!

Ach, vielleicht ist dieß der letzte Tag in meinem Leben! Möchte dieser Gedanke nichts Schreckliches für mich haben! Möchte ich mit Freuden an das Anschauen meines Erlösers denken können! Möchte Christus mein Lez ben, und Sterben mein Gewinn seyn!

Ach, Herr, Herr! daß doch einmal die Liebe dieser Welt, und dessen, was in der Welt ist, in meinem Herzen erlöschte! daß mir doch von einem Tag zum andern das Unsichtbare und Ewige wichtiger und wünschenswür­diger würde! Eine Woche nach der andern geht hin, wie ein Tag nach dem andern; aber ich), ich bleibe; meine Seele bleibet, und vergeht nicht. Die Beit wird immer kürzer, die Ewigkeit immer näher für mich. Ach, laß mich doch allen Leichtsinn und alle Sündenliebe mit dieser Woche ablegen, und morgen heiliger erwachen, mit innigster Begierde, alle Gelegenheiten zu bes nüßen, wo ich mich erbauen kann, und alle Gnadenmittel zu gebrauchen, die mich in der Gottseligkeit stärken, damit ich das Ende meines Glaubens, der Geelen Seligkeit davon bringen möge! Amen.

Selbstprüfung vor der Beicht.

Uawiffender Gott, der du die Herzen der Menschen prüfeft, und unsre verz

borgensten Gedanken besser, als wir selbst, fenneft, ich bitte dich um deinen gnädigen Beistand zu dem wichtigen Werke der Prüfung meiner selbst! Behüte mich dabei vor Heuchelei und gefährlichem Selbstbetrug, daß ich mit meine Schwächen und Fehler nicht verheble! Ich muß ja doch einst offen= bar werden vor deinem Richterstuble! Wie unglücklich wäre ich, wenn ich mich da erst recht kennen lernte, und meine Therheit zu spät bereuen müßte! Liebte ich denn, stets und wie ich sollte, Gott mehr, als mich und alle andern Geschöpfe?

Dankte ich ihm für alle Wohlthaten, die ich aus seiner milden Ba terband empfing? Seßte ich vornehmlich auf ihn, nicht auf meine Geschick­lichkeit, nicht auf Menschengunft oder Hülfe mein Vertrauen?

Redete oder handelte ich) nie wider mein Gewissen, und fürchtete ich die Menschen nicht mehr, als Gott?

Habe ich an allen Orten mich vor dem allgegenwärtigen Gott gea

fcheuet?

That ich Gottes Willen stets mit kindlicher Bereitwilligkeit? Entehrte ich seinen heiligen Namen nie durch Fluchen und Schwören, durch Lüge oder Aberglauben?

Erhob ich im Gebet oft und mit Andacht mein Herz zu ihm? Hatte ich an seinem göttlichen Worte meine Freude?

Besuchte ich die heiligen Bersammlungen der Christen, so oft es seyn konnte?

Hörte ich das Wort des Herrn mit Aufmerksamkeit, und war ich auch ein treuer und fleißiger Thäter des Wortes?

Habe ich den Tag des Herrn allezeit nach Gottes Willen heilsam an­gewendet, und nie durch eine sündliche Ruhe, oder unnöthige Arbeit, oder allzugroße Zerstreuungen entweiht?

Suchte ich meine( eltern und) Borgeseßte stets durch Hochachtung, willige Folgsamkeit und Liebe zu erfreuen?

Hab' ich sie nie erzürnet, nie betrübt, nie ihre Wohlthaten vergesſen? Sin ich meinen untergebenen nicht zu hart begegnet?

Habe