Druckschrift 
Neues Braunschweigisches Gesangbuch : nebst einem kurzen Gebetbuche zum öffentlichen und häuslichen Gottesdienste : mit Herzogl. Braunschw. Lüneb. gnädigstem Special-Privilegio ; [nebst] Episteln und Evangelia auf die Sonn- und Festtage [...]
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem.

Dieser schreckliche fall hat sie beweget, daß sie von dem tage an bedacht gewesen, sich zu ergeben, sind mit Tito zu einer unterredung und unterhaltung gekommen; aber dieweil sie zu lange geharret hatten, friede zu machen, und sie um friede und freiheit baten, da sie schon ausgehungert und auf das höchste bedrängt waren, ward nichts daraus, und die stadt ist nur wenige tage noch kümmerlich aufge­halten word und höchfter ist eine menge volks großer angst und höchster noth, wegen des unerträglichen Bungers aus der stadt in das lager, den feinden in die hände gelaufen; da hat man sie sehr wohlfeil verkaufet. Damals haben die kriegsknechte ohngefähr gesehen, daß ein jude aus seinem eigenen miste gulden ge lesen, welche er eingeschluckt gehabt; da ist bald ein gerücht durch das ganze lager unter dem friegsvolke gegangen, die juden, fo heraus in das lager geflohen, hätten gold eingeschluckt;( dennes waren etliche, welche wegen fleißiges besuchen sonst nichts als gold wegbringen, oder vor den soldaten behalten konnten) dies gerücht gab nun ursach, daß von den kriegsknechten, welche gedachten, sie würden bei allen juden gold finden, über zwei tausend juden in einer nacht aufgeschnitten wurden; und ihrer wären noch viel mehr umgekom men, wenn Titus nicht hätte ausrufen und gebieten lassen, daß man i dan misal d die gefangenen nicht tödten sollte.

Endlich ist die stadt Jerusalem erobert, und weder jung noch alt verschonet worden; doch hat man ein gebot ausgerufen, daß man aller elenden leute, so zu keiner wehr und widerstand vermögend wären, schonen sollte. Also ist ganz Jerusalem durchaus h von den feinden schrecklich geplündert, angesteckt und verbrannt, der größte theil zerrüttet und verwüstet worden, wenige gebäude sind stehen ge­blieben, daß man nur etliches römisches kriegsvolk darinnen zur be­sapung lassen könne. So sind auch etliche einzelne wüste gebäude und thürme übrig geblieben, allein nur öde, zur anzeigung, daß dafelbst eine stadt ehemals gewesen wäre. Und ist also Jerusalem ver­wüstet und zu gründe verderbet den achten tag des Septembris im fünften monat darnach, als sie zuerst belagert worden. Der ge­fangenen hat Titus bei siebenzehn tausend, alle junge starke manns­personen, gen Alexandriam geschickt, um daselbst wie Leibeigene tnechte steine zu tragen, und zu arbeiten. Viele juden hat man wie das vieh gar wohlfeil verkaufet, zwei tausend hat man hin und wieder in die länder durch das ganze römische reich ausgetheilet, daß man sie, wenn man schauspiele gehalten, zum gepränge, von den wilden thieren hat zerreißen lassen.

QITE

Die menge aller gefangenen, so am leben geblieben, sind an der zahl sieben und neunzig tausend, da doch, als die belagerung angefan­gen wurde, wol zehn mal hundert taufend in der stadt gewesen sind, welche mehrentheils fremde und nicht bürger, wiewol alle vom jüdi­schen stamme und geblüt gewesend sind. dne

ispin thomm

Als nun Titus Jerusalem mit gewalt eingenommen, verbrannt, zerrüttet und verheeret hatte; besetzte er den ort des landes mit etlichen friegsknechten, um der umliegenden länder willen, und rückte bis an den fluß euphrat; denn so weit ging damals das römische reich. Als aber die gewaltige, berühmte und heilige stadt Jerusalem zerstört wor den, hat man gezählet von anbeginn der welt vier tausend und vier und dreißig, vom anfange der stadt Rom acht hundert und drei und zwan­zig, nach dem leiden Christi vierzig jahr.dit dus du fort

68