Beschreibung der Zerstörung der Stadt Jerusalem. 67
das kriegsvolk die festung mit gewalt zu stürmen. Wiewolnun große gefahr dabei war, so gerieth doch den Römern alles, und war kein sieg noch glück bei den juden. Als nun die Römer das schloß inne hatten, gab der trompéter mit der posaune ein zeichen, und wurden die juden, welche in dem schlosse waren, alle erschlagen. Etliche sind von den mauern geworfen worden, etliche sind bei der nacht eilends in die stadt gekommen. Folgendes hat sich das kriegsvolk nunmehr gegen die, so den tempel inne hatten, der sache ernstlich angenommen.
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190 Man fagt, Titus sey willens gewesen, den tempel zu verschonen um der religion willen; aber es war aus: Gott schickte es, daß da kein verschonen war. Denn als man lange und heftig gestritten und gearbeitet hatte, und die juden weder mit dräuen und vermahnen zu bewegen gewesen, die festen örter zu übergeben; merkte das friegsvolk, daß ihnen an diesem orte nicht anders als mit Hunger ( welches denn sehr lange dauern würde), oder mit feuer beizukommen wäre. Dannenheros haben etliche kriegsknechte feuer in den tempel geworfen, das ist angegangen, und ist also dieselbige stunde das herrliche, treffliche und kostbare gebäu, welches damals hoch und weit berühmt war, verbrannt und zu asche geworden.
Die juden, die den obern ort der stadt inne hatten, sind zum theil in die stadt geflohen; aber viel mehr sind durch das feuer und schwert umgekommen. Die priester haben gebetet und geflehet, daß man ihnen das leben fristen möge: aber da ist gnade bei Gott und den leuten ausgewesen. Titus hat, wie Hegefippus schreibet, geantwortet: So ihr tempel und gottesdienst dahin sey, bedürfe man der priester nicht mehr.
Dien verwüstung des tempels ist den zehnten tag des monats Augusti geschehen, gleich auf den tag, da der erste tempel vom könige zu Babylon verbrannt ist, und ist der tag sonderlich ein unglückstag für den tempel gewesen. Von dem ersten tempel und seiner erbauung an, welche Salomo vollführt, bis auf das andere jahr Vespasiani, da der tempel gänzlich verwüstet worden, sind elf hundert und zwei jahr, von der zeit aber, da man den andern tempel wieder angefangen zu bauen, welches geschehen im andern jahre des königs Cyri, sind fünf hundert und neun und sechzig jahr verflossen.
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on Da nun die juden so geängstet wurden, und keine Hoffnung der errettung war, starben viele tausend hungers, doch blieben die übrigen auf ihrem vornehmen.
Josephus schreibet, daß sich in den tagen, als der tempel verbrannt und verwüstet worden sey, ein schrecklicher und gräulicher fall begeben, welchen man bei den nachkommen kaum glauben wird. Es war eine ehrliche frau, welche reich und von guten geschlechte war, jenseit des Jordans, aus furcht mit den andern gen Jerusalem geflo= Hen; als nun die stadt so hart bedränget und mit hunger geängstiget ward, hat sie ihr kleines kindlein in der wiegen,( mit was für fammer und schmerz, ist wol zu gedenken) geschlachtet, und das halbe theil gebraten und gegessen; als die kriegsknechte umher gelaufen und speise gesucht, hat sie ihnen die andere hälfte vorgesetet, die kriegsknechte aber haben sich vor dem gräulichen anblick entseßet, und sich doch des elenden weibes erbarmet, und die sache den großen herren zu Jerusalem geoffenbaret.
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