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Choralbuch für die evangelische Kirche im Großherzogthum Hessen
Entstehung
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IV

Ausarbeitung des harmonischen Satzes freudig bereit erklärt und aufs beste gerüstet, aber schon der Schlußberatung über die definitive Gestalt der Melodieen im Frühjahr 1887 mußte er in Folge einer schweren Erkrankung fern bleiben, und bereits am 26. August 1887 wurde er den Seinigen und seinem Beruf allzufrüh entrissen. Wir erfüllen eine Pflicht der Dankbarkeit, wenn wir an dieser Stelle seiner eifrigen und sorgfältigen Vorarbeit für die Herstellung dieses Buches unsere vollste Anerkennung zollen.

Wir waren so glücklich, zur Vollendung des Werkes die bewährte Kraft des königlichen Professors der Musik und Musiklehrers an der Universität Erlangen Dr. Johann Georg Herzog gewinnen zu können.

Ihm verdankt nun unsere Kirche das harmonische Gewand dieser Choräle und die ihnen beigefügten leichten Ein­leitungen, Überleitungen und Schlüsse zu einem jeden Choral, ebenso die Harmonisirung der liturgischen Säße für den Gemeindegesang mit Orgelbegleitung.

2. Gegenüber den seitherigen Choralbüchern erscheinen im vorliegenden Werke die Choräle unserer Kirche in wesentlich anderer Gestalt. Durchgängig ist über die im letzten Jahrhundert aufgekommene gestreckte Form der auch sonst mehrfach veränderten Choräle auf ihre ursprüngliche, zum Teil rhythmische Gestalt zurückgegangen worden. Dabei aber wurde dem Bedürfnisse der verschiedenen Gemeinden, der Rücksicht auf alte liebgewordene Gewohnheit und auf die geschichtliche Continuität in der Weise Rechnung getragen, daß bei den gebräuchlichsten Chorälen als eine unter b be­zeichnete Parallelform die seither übliche gestreckte Weise mit möglichster Belassung auch ihres harmonischen Charakters wiedergegeben ist. Die durch das neue Gesangbuch wieder neu in den Gemeindegebrauch zurückgeführten Choräle dagegen sind in einem mit Rücksicht auf den Gemeindegesang unter Orgelbegleitung ausgewählten, der ursprüng­lichen Gestalt ähnlicheren Form, insbesondere auch in ihrem eigentümlichen Rhythmus gegeben.

Die mit der allmähligen Einführung dieser Choräle in den Gemeindegebrauch eintretende Umgestaltung des Choral­gesanges in unserer Landeskirche ist beabsichtigt, aber wir müssen die Geistlichen, Organisten und Kantoren aufs Gewissenhafteste dazu verpflichten, hierbei umsichtig, maßvoll und besonnen vorzugehen..

Die Einführung solcher Choräle, die der Gemeinde seither fremd waren, und dies ist nach der Gestalt unseres Gesangbuches, von dem das Choralbuch völlig abhängig war, eine ungewöhnlich große Zahl, hat nur mit sorg­fältiger Vorbereitung zu geschehen.

Es ist die neue Melodie zuerst in der Schule mit den zur Leitung des Gesanges bestimmten Kindern und, wo ein solcher vorhanden ist, womöglich auch im Kirchenchore genau einzuüben, dann der Gemeinde im Gottesdienst ein oder

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