Gebete bey verschiedenen Umständen. 71
zurück, wenn ich meinem eigenen Willen folgen will, und lehre mich, mich selbst verläugnen, meinen eigenen Neigungen und Wünschen entfägen, und mich ganz deinen Fügungen unterwerfen. Verleihe, daß ich nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit dem Herzen sagen: " Herr, dein Wille geschehe!" O wie ruhig ist meine Seele, wenn ich mich deinem Willen ergebe! Denn ich weiß, du wirst mir nichts geschehen lassen, als was mir nüglich und heilsam ist. So schaue denn, großer Gott! hernieder auf mich, der( die) ich vor dir liege; nimm mein Herz, und mache es so gefinnet, wie es dir wohl gefällig ist. Mit Freuden kann ich bis hicher sagen, daß deine Hand mich geleitet, daß dein Arm mich geschüket, daß dein Trost mich erquicket hat. Nun, Nun, o Gott! du lebest noch, deine Treue ist noch immer groß, und deine Güte ist noch täglich neu. Was du willst, das geschehe denn immer! Dir ergebe ich mich in findlichem Gehorfam, es sey zum Leben oder Sterben. Es gehe, wie es gehe, du, Vater in der Höhe, weißt doch zu allen Sachen Rath. Amen.
Gebet nach der Genesung.
Großer Gott, höchster Gebieter und Herr über unser Leben, der du in das Grab, und auch wieder heraus führest, ich werfe mich vor dir nieder, und danke dir von Herzen, daß du mich von den Pforten des Grabes zurückrufest. Ich rief zu dir: ,, ewiger Gott! ist es möglich, so friste mir mein keben noch auf einige Zeit." Da erhörteft du meine Klagen, und sahest meine Thränen an, und gabst mir Leben und Gesundheit wieder. O daß ich deine Liebe und deinen Beystand nach Würde genug erheben könnte! Ich bekenne es vor jedermann, daß ich dir allein meine Genesung zu danken habe. Auch die größte Klugheit, die beste Sergfalt und Bemühung der Menschen ist ohne dich vergeblich. Was habe ich dir nicht, o mein Gott, mitten in meiner Krankheit und in meinen Hengsten versprochen! Ich hatte mich dir ganz zu deinem Dienste gewiedmet. Ich
£ 4


