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Gesangbuch zum gottesdienstlichen Gebrauch der Reformirten Gemeinden in Kurpfalz
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des Herzens ic.

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auch schriftlich, jenachdem es sich für eines jeden besondern Bes dürfnisse und Umstände schickt, abåndere; sich dieselben dadurch zu eigen mache, bei dem Gebrauche derselben mehr an die Sas chen als an die Worte halte, und sich nicht zu oft eben derselben Gebetsformel bediene, damit sie einem nicht gar zu geläufig werde, und man sich nicht dadurch gewöhne, Worte herzus sagen bei welchen man wenig oder nichts denket.

Die fünfte. Man sey nicht damit zufrieden, daß man nur zu gewiß vestgesezten Zeiten betet; Dieß ist allerdings gut und nothwendig; Aber es ist nicht möglich, daß wir uns zu dies sen bestimmten Zeiten allemal in der Gemüthsfassung befinden, die der Undacht am günstigsten ist; Wenn man eine solche der Andacht günstige Gemüthsfassung bet sich gewahr wird, so übe man sich alsdann im Gebete, wenn es nicht andere wichtige Pflichten verbieten; Man thue solches insbesondere alsdann, wann diese oder jene Lehre der Religion einen besondern Eindruck auf uns gemacht hat; wann man seine Echwachheit und die Nothwendigkeit der( Huade und des Beistandes Gottes lebhafter als sonst empfindet: wann einen ein besondrer Kummer drückt, oder eine besondere göttliche Boblthat rühret; oder, wann man den Werth des Gutes, das man schon lange beseffen hat, deuts licher als zu andern Zeiten einsiehet, und eine stärkere Freude darüber fühlet. Wer diese Regeln beobachtet, dem wird es leicht fallen, sein Herz vor Gott auszuschütten, er wird einen Ges schmack an dieser gottesdienstlichen llebung finden; sie wird ihm angenehm werden; er wird sich bald eine groffere Fertigs keit darin erwerben, und dieser Geschmack, diese Fertigkeit wers den ihn in den Stand sezen, die Hindernisse der Andacht, die er zu andern Zeiten antrifft, desto glücklicher zu übersteigen, und es zulezt dahin bringen, daß er, nach der Vorschrift des Apostels ohne Unterlaß beter, das heißt, bei allen Gelegen. heiten sein Herz mit Freude und Vertrauen zu Go: t erheben, und dadurch eine beständige Siemeinschaft mit ihm unterhalten kann; ein Zustand, welcher der nächste Weg zur Vollkommens heit und zur Glückseligkeit ist, und nach welchem wir nie zu eifrig streben können.

Erwele