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Andachten und Erwéckungen
Was für Geschäfte hab ich heute zu besorgen? Mit was für Menschen werde ich heute umgehen? Was hat mir Gott an dies sem Tage, oder in dieser Woche für besondere Wohlthaten ers wiesen? Welcher Fehler und Sünden habe ich mich in der Zeit vornehmlich schuldig gemacht? Wofür muß ich mich båten, was muß ich thun, wenn ich sie nicht wieder begehen soll?
Die zweyte. Man glaube nicht, daß ein gortesgefällt. ges Gebet nothwendig weirläuftig seyn, oder allemahl alles dasjenige, was in dem allgemeinsten Verstande dazu gehören, in einer bestimmten Ordnung in sich fassen müsse. Die meisten Gebetsformeln, die wir in der heiligen Schrift finden, sind kurz und von verschiedenem Inhalte, ound auch das Muster, das Jesus seinen Jüngern gegeben hat, ist so beschaffen; Bald kann man sich vornehmlich mit der Anbetung und dem obe Gottes, bald mit Danksagungen für seine Wohlthaten, bald mit Bitten um Gnade und Hülfe, bald mit Fürbitten für an dere Menschen beschäftigen.
Die dritte. Man bilde sich nicht ein, daß lanter auss erlesene Ausbrücke, oder daß eine gewisse künstliche Berediam Feit dazu erfordert würde, um auf eine Gott webigefällige Weise zu beten. Nein, Aufrichtigkeit und Ernst machen hier die Hauptsache aus. Wir haben es mir einem Gott zu thun, der nicht auf Nebendinge, die vielleicht nicht einmal in unse. rer Gewalt sind, sondern blos auf as Herz des Betenden sieht. Die vierte. Ist man sehr zur Zerstreuung geneigt, fo bete man, um sich vor derselben zu bewahren, mit lauter, oder lieber, um allen Schein der Heuchelet zu vermeiden, mit vernehmlicher Stimme, nicht blos in Gedanken, sondern mit deutlich ausgedrückten Worten: Man bediene sich in eben dies fer Absicht zuweilen guter Gebetsformeln damit man etwas vor fich habe woran man seine Aufmerksamkeit binden könne; les bei ist aber nöthig, daß man diese Gebetsformeln vorher, blos zum Unterricht, durchlese, so wie man etwa eine andere erbaulis cheSchrift lieft, alle Gedanken und Ausdrücke, die darinn vorkom. men, wohl zu verstehen suche, sie sorgfältig mit seinem gegens wärtigen Zustande vergleiche; sie entweder in Gedanken, oder
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