Der 15te Julius.
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Alle Geschöpfe haben ihre Bedürfnisse, und für alle ist unser Gott genug. Die Tischgäste aber, welche nur den Körper zu erhalten suchen, verlangen und bekommen noch am wenigsten. June ge Raben werden gefuttert, gierige Adler finden ihren Heerd, Körner, Fleisch, Kräuter, Gras, Knochen, Erde, Haar und tausend andre Speisen stehen hin und wieder aufgetischt: groß ist der himms lische Geber hiebet. Jeder Kreatur gibt er ihr Leibgerichte, und zwar zu rechter Zeit. Jedoch, die Nahrung, welche Engel und selige Geister von ihm verlangen, reißt mich zum Erstaunen, zur tiefsten Unbetung Gottes hin.
Schon eine wißbegierige menschliche Seele ist unersättlich, und muß sich auf der Erde mit sparsas mer Kost behelfen Denke ich mir nur jene weit erhabenere Geister, welche in einem Augenblick so viel seben, begreifen und mit ihren Vorstellungen gleichsam verzehren, als hinlänglich wäre, den Ge lehrtesten unter uns jahrelang zu beschäftigen, und seine Wißbegierde zu sättigen: so schwindle ich bei. der Grösse Gottes. Eine Erde wie die unfrige wird von einem Erzengel vielleicht binnen Einem Tage durchforscht, alle ihre Mannigfaltigkeiten uns ter Einen Gesichtspunkt gebracht, und so überse: hen, wie wir ein Zimmer und dessen Geráthschaft Fennen lernen. Nun aber sehnen sich unaussprechs liche Millionen unsterblicher Geister nach immer neuer Erkenntniß, und Gott thut seine milde Hand auf, und sättiget fie alle mit Wohlgefallen. Welche neue Schöpfung, welch eine Tiefe des Reichthums der Erkenntniß und Weisheit Gottes! Sonnen: welten
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